Der Blog über Kunst und Inspiration

WolkenKunst

WolkenKunst

 
 

Poesie des Himmels

Lionel Constable (1828 - 1887), Cloud Study (dt. Wolkenstudie), zwischen 1849 und 1855, Öl auf Papier, Details of artist on Google Art Project [Public domain], via Wikimedia Commons

Lionel Constable (1828 – 1887), Cloud Study (dt. Wolkenstudie), zwischen 1849 und 1855, Öl auf Papier, Details of artist on Google Art Project [Public domain], via Wikimedia Commons

Es gibt so Augenblicke, da benötige ich einfach mal eine Pause. Dann koche ich mir gern eine Tasse Tee, gehe zurück an meinen Schreibtisch, wo Tivi schon auf mich wartet. Tivi weiß ganz genau, was jetzt kommt. Deswegen ist sie schon da. Sie sitzt auf meinem Schreibtisch und schaut aus dem Fenster. Bewegt den Kopf nach rechts, dann auch mal nach links und ab und zu klatscht sie in die Hände. Dann ruft sie ganz aufgeregt: „Ein Terrier!“ dann „Nein, jetzt ist es ein Kopf von einem Teddy!“ oder „Schau mal, das sieht aus wie das Vorderrad von einem Motorrad, das aus den Wolken fährt!“ – Ja, wir sind dann Wolken-Beobachter . Wir schauen uns dann die Himmelsmalerei an. Überlassen uns unserer Fantasie, genießen diese Momente, aus denen auch schon mal Geschichten entstehen. Für uns sind die Wolken wie die Poesie des Himmels.

Costantino Cedini (1741–1811), Aurora mit Apollo fahren den Sonnenwagen, ca. 1811, Öl auf Leinwand, 45.7 x 97.2 cm, [Public domain], via Wikimedia Commons

Costantino Cedini (1741–1811), Aurora mit Apollo fahren den Sonnenwagen, ca. 1811, Öl auf Leinwand, 45.7 x 97.2 cm, [Public domain], via Wikimedia Commons

St.-Michaels-Kirche, Veringendorf (Baden-Württemberg), Nordwand des Chorraums: Fresko mit der Hinrichtung Johannes des Täufers, Detail: Hand Gottes, die aus einer Wolke auf die Hinrichtungsszene weist. ca. 1320 © Roman Eisele / Wikimedia Commons, via Wikimedia Commons

St.-Michaels-Kirche, Veringendorf (Baden-Württemberg), Nordwand des Chorraums: Fresko mit der Hinrichtung Johannes des Täufers, Detail: Hand Gottes, die aus einer Wolke auf die Hinrichtungsszene weist. ca. 1320 © Roman Eisele / Wikimedia Commons, via Wikimedia Commons


 

Über den Wolken

Sonnenlichtbekrönte, wuchtige Wolkenformen haben den Menschen schon immer zu den Gedankenspielen verleitet, was wohl über den Wolken sein wird. Die Erhabenheit und die Schönheit, die Allmacht und das strahlende Licht. Zusammen mit den verhüllenden Verdichtungen und den kontrastreichen, in sich verschiebenden, plastisch wirkenden, lichterfüllten Luftmassen haben diese Vorstellungen zu ganz eigenen klassischen Bildkompositionen in der Kunst gefunden. Die Hand Gottes aus den Wolken als Bildmotiv in der abendländischen Malerei sowie die wuchtigen Wolken als illustrierendes Ornament des Göttlichen wie z.B. in den barocken Werken. Das Besondere wird verhüllt oder von Wolken getragen und mit Licht umspielt.

 

 

Jacob Isaacksz van Ruisdael (1628/1629–1682), Stürmische See mit Segelschiffen, etwa 1668, Öl auf Leinwand, 50,1 × 62,5 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons

Jacob Isaacksz van Ruisdael (1628/1629–1682), Stürmische See mit Segelschiffen, etwa 1668, Öl auf Leinwand, 50,1 × 62,5 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons

Die Herausforderung der eigenen Beobachtung

Max Frey (1874-1944), Wolken. Öl. Gezeigt 1921 in Dresdner Kunstausstellung. (Online Auction / work before 1923) [Public domain], via Wikimedia Commons

Max Frey (1874-1944), Wolken. Öl. Gezeigt 1921 in Dresdner Kunstausstellung. (Online Auction / work before 1923) [Public domain], via Wikimedia Commons

Spektakulär sind auch die hohen wolkenverhangenen Himmel der niederländischen Marinemalerei. Die Dimension der Wolkengebilde wird hier anschaulich. Seefahrerromantik oder realistische Szenen, Bedrohung oder Herausforderung, Mut oder Selbstsicherheit. Naturgewalt und Mensch. Und dann ist es doch wieder der Mensch, der sich die Welt erklärt, beobachtet, analysiert und sich erobert. Wie Luke Howard (1772-1864), Begründer der modernen Wolkenkunde, klassifizierte erstmals die noch gängigen Wolkentypen: den Cirrus (Federwolke), den Cumulus (Haufenwolke) und den Stratus (Schichtwolke). Die Begeisterung durch die Wissenschaft fand nun in der eigenen Beobachtung der Wolken einen herausfordernden Gegenstand in der Kunst. Um die schnellen Veränderung von Wolkenformationen festhalten zu können, entstand die Ölstudie mit der leichten und zügig aufgesetzten Pinselführung. Die Wolke war und ist immer noch eine beflügelnde Inspiration, in der Kunst wie im Leben.

 

 

Gustav Klimt (1862–1918), Die Große Pappel oder Aufziehendes Gewitter, 1903, Öl auf Leinwand, 100 × 100 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons

Gustav Klimt (1862–1918), Die Große Pappel oder Aufziehendes Gewitter, 1903, Öl auf Leinwand, 100 × 100 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons


 

Wolkenbilder

 
Die Erscheinungen aus Wassertröpfchen, Eis und Staub regen die Fantasie an und lassen der Interpretationsfähigkeit freien Raum. Empfindungen und Botschaften lösen die Formationen aus Wasser, Licht und Luft in den Beobachtern aus. Die Lichtspaltungen durch die Wassentropfen und die so entstehenden Lichtspiele ergänzen diese Wirkung. Wolkengebilde erzählen von Metamorphosen, von ständiger Erneuerung, von unheimlicher Schönheit, von der Farbenvielfalt der Natur, von der Macht der Schöpferkraft.

 

 

 

 

Lesser Ury (1861–1931), Wolkenstudie, 1920er-Jahre, Pastell auf Karton, 34,7 × 50 cm [Public domain] via Wikimedia Commons

Lesser Ury (1861–1931), Wolkenstudie, 1920er-Jahre, Pastell auf Karton, 34,7 × 50 cm [Public domain] via Wikimedia Commons


 
Worauf warten Sie?

Versuchen Sie es doch einfach mal selbst.

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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