Der Blog über Kunst und Inspiration

Wolf J. Müller. Das Interview

Wolf J. Müller. Künstler

Digital Art

 
 

Das Interview

 

1. Gibt oder gab es eine Person in Ihrem Leben, die Ihr Denken und Ihre Einstellung gegenüber Ihrer Arbeit entscheidend beeinflusst oder geprägt hat?

Wolf J. Müller, Künstlerfoto, Digital Art, (c) Wolf J. Müller

Wolf J. Müller, Künstlerfoto, Digital Art, (c) Wolf J. Müller

Meine Kindheit wurde – natürlich neben vielem Anderen – geprägt durch die künstlerisch aktiven Schwestern meiner Großmutter. Eine war „Kunstmalerin“ und lebte von ihrer Kunst, die andere war Hausfrau, Mutter und als Schriftstellerin erfolgreich.

Den Umgang mit Malkreiden, die Aquarell- und Ölmalerei lernte ich unter Anleitung der Landschafts- und Porträtmalerin Dora Kaeseberg in den 50er und 60er Jahren in Hamburg. Im Internat wurde ich mit weiteren Mal- und Zeichentechniken, sowie den Grundlagen der Porträtmalerei vertraut gemacht.

Nach der Schule hatten dann aber Studium und Berufsausbildung Priorität, die Gestaltung von Kunstwerken trat in den Hintergrund.

Berufsbedingt beschäftigte ich mich in meiner Agentur in den späten 80er Jahren auch mit Anzeigengestaltung. Die digitale Umsetzung von gestalterischen Ideen, die Erstellung und Bearbeitung von Bildern und Hintergründen gaben den Anstoß, mich auch privat mit diesen Möglichkeiten auseinander zu setzen.

Entscheidend für meine heutigen Arbeiten war der Einfluss meiner Frau, die mit ihrer professionellen Sicht (Studium am Dartington College of Arts, Devon) meinen Ideen und deren Umsetzung/Visualisierung Struktur gab.

 

2. Wie bilden sich Ideen für Ihre Arbeit? Was inspiriert Sie?

In drei Worten: Farbe, Form und Klang. Ich skizziere, fotografiere und gestalte digital reale Bilder, abstrakte Kompositionen oder eine Synthese hieraus.

Meine Arbeiten habe ich sechs Projektbereichen zugeordnet:
Fotogestaltung, Sozialer Kontext, Fraktale Welten, Fotocollagen, Ibiza mystery Island und Computermalerei.

Es macht mir Spaß, ein Bild zu entwerfen, zu gestalten und während der Arbeit am Bild zu vervollkommnen. Die Idee und Inspiration zur Visualisierung von Gefühlen oder Stimmungen kann ich dabei selten steuern. Wenn ich glaube, etwas durch ein Bild mitteilen oder darstellen zu müssen/zu können, suche ich nach einem Weg und/oder einem Medium mit dem mir dies gelingen könnte.

Bei der Gestaltung der Bilder meiner Fraktalen Welten – die Dynamik, Energie und Spiritualität vermitteln – haben mich als Hobbyastronom zum Beispiel die Bilder des Teleskops HUBBLE aus den unendlichen Weiten des Universums inspiriert und den Form- und Farbraum meiner Bilder stark beeinflusst.

 

3. Welches Material bevorzugen Sie und warum?

Da ich überwiegend digital arbeite, stellt sich mir diese Frage nur bedingt.

Um aber bestimmte Elemente des späteren Bildes schnell zu realisieren, zeichne oder male ich diese, um sie danach zu digitalisieren.

Worauf der Ausdruck erfolgen soll, (Canvas, Acryl, AluDibond, Holz oder Papier) wird vom mir nach Probedrucken auf hochwertigem Papier entschieden – wobei ein Käufer hierbei natürlich ein Mitspracherecht hat.

Das Bildformat ist bei dieser Kunstform variabel, aber zertifiziert werden von mir nur die Bilder, mit den von mir festgelegten Originalformaten.

 

4. Wie lassen Sie sich auf eine neue Arbeit ein?

Sehr unterschiedlich.

Wenn ich ein Foto bearbeite, es modifiziere und/oder editiere habe ich eine Vorstellung von dem, was ich erreichen möchte.

Aber im Entstehungsprozess lasse ich mich auch von Zufälligkeiten leiten. Wenn ich mich für eine Arbeit mit einem vorgegebenen Thema befasse, habe ich in aller Regel eine klare Vorstellung von dessen Umsetzung. Ich suche mir die hierfür benötigten Elemente aus meinem Fotoarchiv heraus oder versuche mit neuen Fotos fehlende Bildteile zu ergänzen.

Für mein Bild „ Locked out“  (2009, Projekt Sozialer Kontext) wollte ich z. B. eine abweisende Mauer/Festung mit sich davor versammelten, Einlass begehrenden, mutlosen Menschen darstellen. Das Hintergrundfoto war schnell gefunden, die „Schattenmenschen“  habe ich gemalt und digital integriert. Die finale Farbgebung und Positionierung der Bildkomposition ist das Ergebnis der Methode „trial and error“.

 

5. Wie drückt sich Realität und Intuition in Ihrer Arbeit aus?

Ich arbeite mit Fotografien realer Lebensräume, Gegenstände und Lebewesen oder erstelle geometrische Formen, um daraus Bilder zu gestalten.

Meiner Wahrnehmung und Vorstellung/Imagination entsprechend, generiere ich aus deren Formen und Farben Bilder mit einer zum Teil völlig neuen oder dramatisch veränderten Aussage.
 

Wolf J. Müller, "Überseebrücke" Hafen Hamburg im Projekt Foto-Collagen, 2016, 120x70cm, (c) Wolf J. Müller

Wolf J. Müller, „Überseebrücke“ Hafen Hamburg im Projekt Foto-Collagen, 2016, 120x70cm, (c) Wolf J. Müller

6. Beschreiben Sie Ihre Arbeitsmethode?

Wie schon an anderer Stelle gesagt ist durch die Art der Gestaltung meiner Kunstwerken Voraussetzung, dass ich alle Elemente eines zukünftigen Bildes digitalisiert zur Verfügung habe.

Ich bin mit der Kamera immer auf der Suche nach Motiven, die mich inspirieren. Aus diesen Motiven, mit Teilen davon oder aus mehreren Fotos/Elementen, definiere ich neue Inhalte durch Überlagerung oder Verschmelzen mit Formen und Bildausschnitten anderer Fotografien.

Durch die rasante Entwicklung der Computertechnologie und die heute zur Verfügung stehende Leistungsfähigkeit der PCs sowie die Vielzahl der Programme zur Erstellung und/oder Gestaltung fraktaler Formen, integriere ich auch gerne fraktale Elemente um die dadurch erreichbare Tiefe, Dichte oder Leichtigkeit für meine Werke zu nutzen.

 

7. Wo sehen Sie die Herausforderung Ihrer Kunst für den Betrachter?

Allen meinen Werken ist zu Eigen, dass der Betrachter bereit sein muss, sich auf sie einzulassen.

Meine Bildtitel geben einen Denkanstoß, sollen aber den Betrachter nicht in nur eine Richtung konditionieren.

Bei Gesprächen mit Besuchern auf Vernissagen oder von Ausstellungen erhalte ich oft wichtige Rückmeldungen, inwieweit von mir projizierte Emotionen den Betrachter erreichen oder erreicht haben.

 

8. Wann ist für Sie die Arbeit an Ihrem Kunstwerk abgeschlossen oder wirkungsvoll?

Wenn das Bild meiner Vorstellung entspricht und ich die virtuellen Ebenen, aus denen meine Bilder bestehen, auf eine Ebene reduziert habe, ist ein Bild für mich fertig und unveränderbar.

Ich erstelle dann von jedem Bild in der Originalgröße maximal zehn zertifizierte und signierte Drucke auf Canvas, AluDibond, Acrylplatten, Holz oder Papier plus zwei Künstlerdrucke (E.A.).

 

Wolf J. Müller, "Entwicklung" aus der Genesis Trilogie, Ursprung, Entwicklung und Geburt im Projekt Fraktale Welten, 2015, Format 100x100 cm, (c) Wolf J. Müller

Wolf J. Müller, „Entwicklung“ aus der Genesis Trilogie, Ursprung, Entwicklung und Geburt im Projekt Fraktale Welten, 2015, Format 100×100 cm, (c) Wolf J. Müller

9. Beschreiben Sie Ihr künstlerisches Anliegen?

Mein Wunsch ist, dass meine Begeisterung für Formen, Farben, Ausdrucksstärke und Harmonie, die ich versuche in meinen Bildern umzusetzen, auch den Betrachter erreicht und berührt.

Ich wünsche mir, dass meine Bilder überraschen und  positive Emotionen geweckt werden.

 

10. Was bedeutet für Sie der Ausdruck: „Ein Leben mit Kunst“?

Ein Leben ohne Kunst wäre ein Albtraum, aus dem ich ganz schnell erwachen möchte.
 
 

11. Wo kann ein Interessent Ihre Arbeit einsehen?

Auf meiner Webseite <www.wolf-arte.de> oder bei Facebook unter <www.facebook.com/WOLFJ.Mueller>
und auf dort angekündigten Einzel- oder Sammelausstellungen, z. B. mit der Künstlergruppe „Norderelbe trifft Süderelbe“.

 

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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