Der Blog über Kunst und Inspiration

Die Muse und die Kunst

 

Die Kraft der Musen

In der allgemeinen Vorstellung sind die Musen wunderschöne Frauen, die den Künstler mit einem Kuss inspirieren. Was macht sie so machtvoll?

Nach dem griechischen Dichter Hesiod waren die Musen neun Schwestern in der griechischen Mythologie, ihre Eltern Zeus, der Oberste der Olympischen Götter, und Mnemosyne, die Göttin der Erinnerung. Mnemosyne selbst war direkte Nachfahrin von Uranos (Himmel) und Gaia (Erde) und in der mythischen Vorstellung eine Quelle der Allwissenheit. Diese göttliche Kraft des Urschöpferischen steckte also in den Musen. In der Mythologie waren sie dem Gott Apoll zur Seite gestellt, dem Beschützer der Künste und der Musik.

Die Muse und die Kunst

 

Wir sehen hier eine Seite des Sarkophags den Musensarkophag in Paris. Vielmehr die 9 Musen in einer Reliefdarstellung.

Die Musen (Zeichnung des sogen. Musensarkophag im Louvre zu Paris veröffentlicht in Meyers Konversationslexikon 1888, © by commons.wikimedia.org, gemeinfrei).

Die Musen (Zeichnung des sogen. Musensarkophag im Louvre zu Paris veröffentlicht in Meyers Konversationslexikon 1888, © by commons.wikimedia.org, gemeinfrei).

Im 2. Jahrhundert nach Chr. entwickelte sich in Rom der Brauch, den Verstorbenen in einem skulpturierten Marmorsarkophag zu bestatten. Das gewählte Thema sollte dabei die Überzeugungen des Verstorbenen offen legen. Dieser Sarkophag wurde wahrscheinlich für einen kultivierten Römer angefertigt, der seine Verbundenheit mit der griechischen Kultur demonstrieren wollte. Der kultivierte Mensch und die Urbanität waren prägende Begriffe in römischer Zeit. Man berief sich in der Kultiviertheit auf einen Glauben der Griechen, nach dem die Praxis der Literatur und der Philosophie oder der tägliche Umgang mit den Musen die Unsterblichkeit und das Heil der Seele gewährleistet wurde.

Dargestellt von links nach rechts sind Kalliope, die Muse der epischen Dichtung, der Wissenschaft und der Philosophie, die eine Schriftrolle hält; Thalia, Muse der Komödie, mit einer komische Maske; Terpsichore, Muse der Chorlyrik; Euterpe, die Muse der lyrischen Poesie und der Tonkunst, hält eine Doppelflöte; Polyhymnia, Muse der Hymnendichtung, der Pantomime und der Geometrie, lehnt sich auf einem Felsen; Klio, Muse der Geschichtsschreibung, hat eine Schreibtafel; Erato, Muse der Liebesdichtung und der Götterhymnen, hält eine Kithara; Urania, Muse der Astronomie mit einer Kugel an ihren Füßen gezeigt; und schließlich Melpomene, Muse der tragischen Dichtung und des Trauergesanges, trägt eine tragische Maske.

Der Begriff der Künste war in der Vergangenheit etwas anders belegt als heute. Im Vordergrund stand bei den Griechen die Literatur und die Musik, später dann die 7 freien Künste: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie. Der Begriff Kunst hat sich im Laufe der Jahrhunderte geändert. Geblieben sind die Geschichten um die Musen und deren Inspiration. Fast ist es schon so, dass die Musen und ihre personifizierte Darstellung der Inbegriff für die Inspiration geworden sind.

Muse Kunst

Schon vor 2000 Jahren sagte Sokrates gemäß Platons Dichtung sinngemäß, dass die Inspiration den Künstler nicht erreicht, solange er an seiner Sachkenntnis festhält. In Platons Werken habe ich in dem Dialog von Sokrates mit Ion folgenden Satz über die Kraft der göttlichen Eingebung und deren Verbreitung gefunden: “Und eben so auch macht die Muse selbst Begeisterte, und an diesen hängt eine ganze Reihe Anderer durch sie sich begeisternder.“ (Platons Werke, in Übersetzung von Friedrich Schleiermacher, Platon, Ion 533c–534e.)

Ein sehr altes Zitat, das jedoch seine inhaltliche Bedeutung nicht eingebüßt hat. Wem ist es noch nicht passiert, dass eine Musik oder ein Künstler, einen in der Begeisterung mitgenommen hat auf eine Reise der Visionen? Dieser Funken der Inspiration, die Energie der Begeisterung. Genau das findet sich in der Kunst. Und wenn man so will, dank der Musen.

Für mich war es so nahe liegend den Blog ‚Muse Kunst‘ zu nennen. Die Inspiration, die durch das Kunstwerk fließt und auf den Betrachter wirkt, liegt so offen für jeden dar. Das ist, was ich an Kunst so mag und was ich übermitteln will. Die Kunst selbst sehe ich als Muse für den Betrachter, ganz egal welcher Qualifikation. Die Betrachtung der Kunst entspannt, erweitert das eigene Bewusstsein oder ist einfach nur bewegend.

Gustave Moreau, Hesiod und die Muse, Zeichnung, 1857, Fogg Art Museum, Cambridge, Massachusetts via commons.wikimedia.org gemeinfrei

Gustave Moreau, Hesiod und die Muse, Zeichnung, 1857, Fogg Art Museum, Cambridge, Massachusetts via commons.wikimedia.org gemeinfrei

 

Eine heute eher unbekannte Interpretation des Lorbeers, Apolls geliebter Baum, war in der Antike die Freude und die Reinigung. Über Apoll wurde der Lorbeer das Attribut der Dichter. In den bildlichen Darstellungen überreicht manchmal eine Muse dem Dichter ein Lorbeerblatt, einen Lorbeerstab, einen Lorbeerzweig oder eine Lorbeerblüte als visuelle Geste der Inspiration.

Es ist dieses Lorbeerblatt, diese visuelle Geste, die ich in mein Logo zu diesem Blog eingefügt habe als ein Symbol der wachsenden Inspiration. Für mich ist die lebendige Begegnung mit der Kunst eine vermittelnde Quelle der Inspiration.

Die drei Kategorien dieses Blogs

Kunst-Begegnung

Der Mittelpunkt ist das Kunstwerk, das hier in einer Abbildung erscheint. Zum Kunstwerk gibt es eine einzelne Beschreibung, eine in Worte gefasstes Ergebnis einer Unterhaltung mit dem Kunstwerk. Es ist ein Dialog mit dem Kunstwerk als Betrachter. Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Gedankenverknüpfungen und eine eigene Aussage zum Kunstwerk finden, das bezeichne ich als Dialog mit dem Kunstwerk. Diese Beschreibungen sind subjektiv. Jeder andere kommt vielleicht zu einem anderen Standpunkt. Darin liegt die Aufforderung an Sie. Schauen Sie sich die Abbildung an und finden Sie heraus, was das Kunstwerk in Ihnen auslöst.

Interessierte Künstler bitte ich auf die Seite Zusammenarbeit zu klicken und dort weiter nachzulesen.

Kunst-Fragen

In dieser Kategorie spielt der Künstler die Hauptrolle. Kunstwerke lösen in den Betrachtern oft Fragen zu dem Menschen aus, der dieses Kunstwerk geschaffen hat. In diesem Teil hat der Künstler die Möglichkeit sich als Person zu präsentieren und sich vor seine Kunstwerke zu stellen. Einige Abbildungen begleiten das Interview. Fragen zur Inspiration, zur Arbeitsweise und zu seinem Leben mit Kunst.

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Kunst-Leben

Die Kunst und deren Auswirkungen auf unser Leben. Geschichten, Episoden rund um das Thema ‚Ein Leben mit Kunst‘ geschrieben von mir. Wie etwa Kunstwerke, die uns begleiten, die wir schon lange kennen, aber deren Aussage wir plötzlich verstehen oder nachvollziehen können, oder Reisen, in denen wir Kunst begegnen und deren Erlebnis sich nachhaltig auf uns ausgewirkt hat, oder Ausstellungen.

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

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Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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