Der Blog über Kunst und Inspiration

Sonja Zeltner-Müller. Das Interview

 

Sonja Zeltner-Müller. Künstlerin

Malerei und Zeichnung

 

Das Interview

 

1. Gibt oder gab es eine Person in Ihrem Leben, die Ihr Denken und Ihre Einstellung gegenüber Ihrer Arbeit entscheidend beeinflusst oder geprägt hat?

 
Einige starke Künstler haben meinen Weg geprägt. Fast 17 Jahre mit und von der Kunst leben, mit meinem früherem Partner Max Müller, Maler und Bildhauer, waren wohl auch in meiner Kunst wirkungsvoll. Er war einer, der schaffen „musste“, in seinem Wirken versank, aber auch die Hochs und Tiefs der Euphorie, des Frusts und des Rauschs – das Künstlerleben der 90er – der Jahrtausendwende lebte.

Bin in dieser Zeit immer mehr ins Schaffen gerutscht, jahrelang als Assistent und Vorarbeiter. Bin später selbst noch mal auf die IBKK nach Bochum gegangen, um selbst noch Rüstzeug und einen Schein zu bekommen.

Das Gruseligste in der Kunst hab ich durch die Kontakte zu Herbert Zangs kennen gelernt, einem der letzten Enfant Terribles, in seiner Schaffenskraft bis zum Schluss strotzend, aber schon zu Lebzeiten „gefleddert“, gehandelt, hofiert, gefälscht, dem Kunstmarkt und dem schnellen Geld selbst gelassen begegnend. Im Informellen seiner Zeit oft voraus, aber durch seine Art nie im Stellenwert der anderen Großen gewürdigt.

Persönlich wohl noch Christoph Pöggeler, bei dem ich mich im Aktmalen freischwamm und für mich an einem Punkt war, an dem ich einfach mein Ding machte.
 

Sonja Zeltner-Müller, ohne Titel, aus Serie "Menschen in Mengen", 2016, Öl/Mischtechnik auf Leinwand, Format 100 x 80 cm, gezeichnet ZM16, (c) Sonja Zeltner- Müller

Sonja Zeltner-Müller, ohne Titel, aus Serie „Menschen in Mengen“, 2016, Öl/Mischtechnik auf Leinwand, Format 100 x 80 cm, gezeichnet ZM16, (c) Sonja Zeltner- Müller

2. Wie bilden sich Ideen für Ihre Arbeit? Was inspiriert Sie?

 
Mittlerweile sind es oft größere Ausstellungen, die ich mir thematisch zur Aufgabe setze und damit neue Werkgruppen, Phasen, Zyklen in meine Arbeit aufnehme.

Seit November 2015 bereite ich mich z. B. auf eine Ausstellung im Landtag NRW vor. Thematisch umkreiste ich mal wieder meine Menschen – Leute – Stadtgeschichten…

Ich hab mich seit der Jahreswende mit dem Thema Menschen in Mengen beschäftigt. Ich zeichne seit Jahren das Thema Kommunikation, das Genießen im Straßencafé, in der Stadt. Nun war Isolation, Verunsicherung, Anonymität Thema. Tage nach Köln war auf einmal die Stimmung auch hier in der Stadt verunsichernd. Oder es war einfach bewusster. Man umgeht den direkten Blick, will nicht neugierig erscheinen, aber auch nicht Aufmerksamkeit erregen. Beschäftigt sich lieber mit seinem Smartphone, entzieht sich.

Der Mensch in der Menge verschwimmt, ist nicht fassbar. Dies habe ich zwar mit bewusst freundlicher Farbpalette, aber krude anmutender Öl/Mischtechnik und ganz reduzierter Körperdarstellung der Figuren ausdrücken wollen. Beim Bild lässt man eher den zweiten Blick zu und sieht im schnellen Strich doch Charakter, Verbindungen und Zusammenhänge. Kann neugierig im Bild wandern, wo man es sich im Alltag versagt.
 

3. Welches Material bevorzugen Sie und warum?

 
Auf Leinwand liebe ich großformatiges in Öl, oft Mischtechniken mit Materialcollagen aus Papieren und allen möglichen Materialien, aber auch gemixt mit Pigmenten, um die Farben zu intensivieren, oder mit rüdem Mix aus Zusatzstoffen, um die Farben reagieren zu lassen – sonst mit Spachtel, Spritzflasche und den Händen, Pinsel so gut wie nie.

Auf Papier arbeite ich auch oft mit Mixed Media, Collage, farblich Gouache, farbige Tinten, wasserlösliches … mit Rollen und Bambusfeder.

Warum? Mein Zugang zum Schaffen ist ein sinnlicher, eruptiver. Ich lass entstehen, mich vom Entstandenen leiten. Dies geht auch oft in verschiedenen Phasen des Liegenlassens, Trocknens und dann sagt mir das Bild was.
 

4. Wie lassen Sie sich auf eine neue Arbeit ein?

 
Eigentlich fast im warum gesagt. Sinnlich – eruptiv – dabei oft euphorisch. Häufig Tage in der ganzen Serie arbeitend und zweifelnd, und dann dem Ganzen erst mal Ruhe geben und drüber schlafen.
Und dann doch manchmal nachts noch mal schauen gehen.
 

Sonja Zeltner-Müller, ohne Titel, aus Serie "Menschen in Mengen", 2016,Öl/Mischtechnik auf Leinwand, Format 100 x 80cm, gezeichnet ZM16, (c) Sonja Zeltner- Müller

Sonja Zeltner-Müller, ohne Titel, aus Serie „Menschen in Mengen“, 2016,Öl/Mischtechnik auf Leinwand, Format 100 x 80cm, gezeichnet ZM16, (c) Sonja Zeltner- Müller

5. Wie drückt sich Realität und Intuition in Ihrer Arbeit aus?

 
Ups – meine Herangehensweise an Kunst ist nicht zeitkritisch, politisch oder provokant. Ich kümmere mich auch nicht um tagesaktuelle Thematiken.

Ich arbeite ja oft recht abstrahiert und freu mich, wenn darin für den Betrachter oder Käufer viel drin zu lesen ist, was ihn anspricht. Oft wieder für mich überraschend.

Beim Schaffen überwiegt bei mir schon die Intuition. Klar hat man sein Rüstzeug der Komposition und Farbwahl im Hinterkopf und bewegt sich daran.
 

6. Beschreiben Sie Ihre Arbeitsmethode?

 
Ich arbeite auf Leinwand meist in Öl und Mischtechniken – zeichne viel, auch gern auf Reisen auf Papier, arbeite aber auch skulptural – forme keramische Plastiken als Modelle zu Bronzen, bearbeite Holz, klebe Glasobjekte…

Übergreifend ist der direkte, unverstellte Zugang zum Werk. Ich arbeite lieber mit Spachteln und Rollen, Bambusfeder und Spritzflasche. Pinsel und Lasurtechnik haben mich im Studium zwar bereichert, aber diese Art des langsamen Entstehens ist nicht meine.
 

7. Wo sehen Sie die Herausforderung Ihrer Kunst für den Betrachter?

 
Wie spricht es mich an? Was sagt es mir? Bereichert es mich? Will ich es auch morgen noch?

So geh ich eigentlich an die Kunst heran, die ich um mich habe, gern von befreundeten Kollegen sammle und um mich habe. Ich hoffe auch für meine Bilder, das sie zu Menschen kommen, die eine Beziehung dazu haben und was anklingen lassen. Nicht als Homedeko und auch nicht als Kapitalanlage.
 

8. Wann ist für Sie die Arbeit an Ihrem Kunstwerk abgeschlossen oder wirkungsvoll?

 
Wenn ich mein ZM mit Jahreszahl draufsetze ist es für mich fertig.

Da ich recht zügig, oft in Werkphasen an verschiedenen Bildern gleichzeitig in verschiedenen Arbeitsschritten zugange bin, stehen bei mir im Atelier oft halbfertige Werke.

Immer interessant, wenn Kunden beim Stöbern gerade darauf anspringen.

Ich leg ja oft abstrakt an und geh dann zeichnerisch drüber – wenn das abstrakte anspricht – ok.
Auftragsarbeiten kann ich gar nicht, wenn ich was in der Art oder im Kopf des Kunden schaffen soll, wird es für mich nie rund.
Und der Rest entscheidet sich eh im Auge des Betrachters.
 

9. Beschreiben Sie Ihr künstlerisches Anliegen?

 
Das Konzeptionelle und der erhobene Zeigefinger liegt mir fern. Für mich selbst ist der Moment des Entstehens, meine eigene Versunkenheit wichtig.

Ich freue mich, wenn das Werk beim Betrachter etwas anspricht, ihm gefällt bis zum Haben wollen, müssen.
Und es ist immer wieder toll, Photos zu bekommen, wo die Bilder hängen, mittlerweile fast weltweit, und man ein Danke bekommt, weil dieses Bild täglich erfreut.
 

Sonja Zeltner-Müller, Künstlerfoto, Künstlerin, Malerei und Zeichnung, (c) Ralf Buchholz

Sonja Zeltner-Müller, Künstlerfoto, Künstlerin, Malerei und Zeichnung, (c) Ralf Buchholz

10. Was bedeutet für Sie der Ausdruck: „Ein Leben mit Kunst“?

 
Immer wieder das Bewusstsein, Glück zu haben – Arbeiten und Schaffen zu können, wie und wann man es will – seinen Kaffee zu kochen und auch mal Pause machen, wann man möchte.

Es gab immer mal Phasen, wo das Gehangel vom Ersten zum Ersten einem schlaflose Nächte machte. Aber nach fast 15 Jahren von und mit der Kunst leben wird man ja auch etwas gelassener.

Es ist ein Glück, von dem was man selber entstehen lässt, leben zu können und Menschen mit seinen Werken auch noch zufrieden und glücklich zu machen. Kunst ist doch nachhaltiger als die Befriedigung nach dem Schuhkauf. Bei meinen Kunden sind viele Mehrfachtäter und Freunde geworden.

Und meist sind Kunstliebhaber auch als Menschen sehr inspirierend.
 
 

11. Wo kann ein Interessent Ihre Arbeit einsehen?

 
Gerne in der Kunstmüllerei hier in Düsseldorf – hier hab ich das Glück, mit Ausstellungsraum, Atelier, Skulpturengarten und Wohnen auch Aktionen mit befreundeten Künstlern zu machen, wechselnde Ausstellungen zu zeigen und viel von meiner Kunst auszustellen.

Aktuelles zu Ausstellungen und Aktionen gibt es auf:

kunstmuellerei.com

kunstmuellerei.blogspot.de

Heute geht zum Glück viel Verkauf und Kontakt online. Ich habe seit 8 Jahren einen ebay-shop, der auch viele Kunden ins Atelier bringt:

 stores.ebay.de/kunstmuellerei-duesseldorf 

Ich bin auf Kunstplattformen wie Artfinder

www.artfinder.com/kunstmuellerei

und aktiv in sozialen Netzwerken wie

Facebook:   www.facebook.com/sonja.zeltnermuller
oder
Twitter:       twitter.com/SonjaZeltner

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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