Der Blog über Kunst und Inspiration

Die Sichtweise auf Kunst

Die Sprache der Gestaltungsmittel

oder

Die Sprache des Wortes

 

Yvonne Lautenschläger, Blumenwiese, Acryl und Pigmente auf Leinwand - Diptychon - 70 x 70 x 4 und 70 x 35 x 4 cm, (c) Yvonne Lautenschläger

Yvonne Lautenschläger, Blumenwiese, Acryl und Pigmente auf Leinwand – Diptychon – 70 x 70 x 4 und 70 x 35 x 4 cm, (c) Yvonne Lautenschläger

Die Sichtweise auf Kunst

Kennen Sie das? Sie befinden sich in einer Ausstellung und die Bewegung der Menschen geht zum kleinen Schild unter dem Bild und dann wieder einige Schritte zurück, kurzes Innehalten, dann weiter zum Nächsten. Manchmal folgt das einem Rhythmus, manchmal auch mit längeren Momenten vor dem Bild.

O.k., dann gibt es noch die mit den Kopfhörern und den Audio-Guides. Die gehen dann nicht zu dem kleinen Schild, die hören ganz einfach gleichzeitig gesprochene Worte zu dem Bild.

Abgesehen davon gibt es da noch die Diskussionen, warum das Bild eben keinen Titel hat, oder besser mit ‚Ohne Titel‘ versehen ist, was das soll und dass das Bild so nicht zu verstehen ist.

Wilhelm Morgner (1891-1917), Ohne Titel. 1916. Tuschfederzeichnung auf Velin. 9,1 x 16,4 cm. Monogrammiert und datiert unten rechts: WM (ligiert) 16. Public domain via Wikimedia Commons

Wilhelm Morgner (1891-1917), Ohne Titel. 1916. Tuschfederzeichnung auf Velin. 9,1 x 16,4 cm. Monogrammiert und datiert unten rechts: WM (ligiert) 16. Public domain via Wikimedia Commons

Warum hat ein Kunstwerk einen Titel oder den Titel ‚Ohne Titel‘? Für einige Künstler ist der sogenannte Schaffensprozess an einem Werk dann beendet, wenn der Titel für das Bild, die Skulptur usw. festgelegt ist.   Einige finden auch keinen Titel für ihr Werk und andere setzen ganz bewusst ein ‚Ohne Titel‘ unter ihr Werk. Beim Entstehen eines Kunstwerkes setzt sich der Künstler mit den Materialien und den Techniken auseinander. Es fließen die Gedanken bewusst oder unbewusst in das Werk hinein. Seine Gedanken. Irgendwann ist das Werk in sich komplett, für den, der es geschaffen hat.

Und jetzt frage ich Sie, ist die Auseinandersetzung mit dem, was wir als fertiges Werk sehen, ebenso? Wann haben Sie das letzte Mal vor einem Kunstwerk, ich sage mal einem Gemälde, gestanden, haben es einfach wahrgenommen?

Wahrgenommen in den Farben, in der Komposition, in den Strukturen, ohne dabei nachzudenken, den Titel zu wissen, und diesen in Bezug auf das Bild zu interpretieren. Wann haben Sie es einfach mal auf sich wirken lassen? Wirken lassen in Form von Gefühlen, von Erinnerungen, die in Ihnen entstehen, während Sie mit der Wahrnehmung des Bildes beschäftigt sind.

Dazu müssen Sie nicht wissen, wie das Bild heißt. Klar können Sie dann Ihre Wahrnehmung mit dem Titel vergleichen und staunen, weil der Künstler vielleicht die gleiche Assoziation hatte wie Sie, oder eine völlig andere. Wagen Sie einfach mal diesen Versuch. In der Kunst ist alles erlaubt.

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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