Der Blog über Kunst und Inspiration

Roland Büchler. Das Interview

Roland Büchler. Künstler

Abstrakte Malerei, Digital Art

 

Das Interview

 

Roland Büchler, Künstlerfoto, Abstrakte Malerei, Digital Art, (c) Roland Büchler

Roland Büchler, Künstlerfoto, Abstrakte Malerei, Digital Art, (c) Roland Büchler


 

1. Gibt oder gab es eine Person in Ihrem Leben, die Ihr Denken und Ihre Einstellung gegenüber Ihrer Arbeit entscheidend beeinflusst oder geprägt hat?

Spontan beantwortet: Gerhard Richter.

Zum Malen kam ich aber nicht wegen Richter, sondern wegen der langjährigen Auseinandersetzung mit der Kunst,  vor allem mit der Malerei des 20. Jahrhunderts. Ausstellungsbesuche um den Planeten und Kunstbücher der bevorzugten Künstler zeugen in meinem Bücherregal von der Leidenschaft.

Auslöser war ein lokaler Malerfreund, zu dem sich im Laufe der Jahre weitere Kontakte zu malenden Künstler gesellten, mit denen ich heute einen befruchtenden Austausch zu den eigenen Werken pflege. Nach anfänglicher Auseinandersetzung mit Farbe, Form und Raum fand ich dann mein Betätigungsfeld im Bereich der experimentellen, abstrakten Ausdrucksmalerei.

Und genau da sah ich den Film über Gerhard Richter und staunte über dieses bescheidene, kreative Genie, das ohne „Künstlerallüren“, mit Hingabe und Leidenschaft seine Bilder macht. Ich will mich auf keinen Fall mit Richter messen oder vergleichen, war aber überrascht, beim vertieften Studium seiner Arbeiten, festzustellen, dass es bei den Versuchen mit Techniken und kreativen Prozessen Übereinstimmungen gibt und auch bei den philosophischen Betrachtungen zur Malerei und Kreativität an sich.

Richter hat mich in dem Sinn nicht beeinflusst Richter zu kopieren, sondern mich darin bestärkt, mich selbst zu verwirklichen in meiner eigenen kreativen Arbeit, ohne „Mainstreams“ zu folgen und das zu tun, was ich tun will.
 

2. Wie bilden sich Ideen für Ihre Arbeit? Was inspiriert Sie?

Ich bin ein audiovisueller Mensch, ein Beobachter, der genau hinschaut und auch das verborgene Detail sehen will, und ein Mensch, der genau hinhört und versucht, die Optik und das Empfinden des Gegenüber wahrzunehmen und zu verstehen.

Ich sammle permanent Bilder, Farben, Eindrücke, Stimmungen nebst Gedanken und Gefühlen. Ich bin ein absoluter Naturliebhaber und Alpinist und habe auf Expeditionen verschiedene Berge, Länder, Menschen und Kulturen kennengelernt, aber auch die großen Städte mit ihren multikulturellen Aspekten.

Da ich auch ein begeisterter Fotograf bin und eigentlich täglich Bilder aufnehme, ergibt eine solche gewaltige Fülle an Bildern in mir, die dann natürlich irgendwie und in irgend einer Form den Weg auf die Leinwand oder auf die Druckplatte finden. Es sind meine Eindrücke, meine Erfahrungen im Leben.

Doch da ist ein Einfluss von Außen, den ich nicht leugnen kann. Die Auseinandersetzung mit den Werken von Künstlern wie Arp, Klee, Chillida, Beuys, Warhol, Van Gogh, Johns, Lichtenstein, Matisse, Miro, Munch, Pollock, Rothko, Richter, Schiele und Twombly sind eine gewaltige Inspiration und fordern zur künstlerischen Zwiesprache heraus.
 

3. Welches Material bevorzugen Sie und warum?

Acrylfarben, weil sie schnell trocken und jederzeit wieder übermalt werden können.

Als Untergrund verwende ich Leinwand, Aluplatten und auch Plexiglas auf Alu aufgezogen.

Digitale Arbeiten stelle ich gern auf Aluplatten her, weil sie sehr leicht sind, auch als Großformat und einfach zu bedrucken.
 

4. Wie lassen Sie sich auf eine neue Arbeit ein?

Malerei:
Am Anfang steht das Nichts, keine Vorstellung, keine Idee. Rein intuitiv greife ich mir eine Leinwand, schon die Größe der Leinwand ist Zufall. Dann greife ich mir eine Farbe oder nehme Mischweiß und grundiere oder lasse Farbe auf die Leinwand fließen. Aus dem anfänglichen Zufallschaos auf der Leinwand entsteht dann plötzlich ein kreativer Fluss.

Digital Art:
Hier ist es das Gegenteil. Ein Bild besteht bereits. Jetzt gilt es, durch Verfremdung
und verschiedene Bearbeitungsschritte etwas Neues daraus  entstehen zu lassen
 

Roland Büchler, white on grey, Acryl auf Plexiglas, 60 x 80 cm , (c) Roland Büchler

Roland Büchler, white on grey, Acryl auf Plexiglas, 60 x 80 cm , (c) Roland Büchler

5. Wie drückt sich Realität und Intuition in Ihrer Arbeit aus?

Malerei:
Im zeitlichen Ablauf wird aus Zufall und Intuition ein kreativer Prozess, bei dem plötzlich eine Bildidee
oder eine Bildaussage ansatzweise sichtbar wird. Das führt dann zur Konzentration auf das Herausarbeiten der möglichen Bildaussage. Also von der Intuition zur Realität der Aussage des Werkes.

Digital Art:
Hier ist die Realität eines ausgewählten Bildes bestimmend. Und hier suche ich den Weg aus der Realität hin zum Abstrakten, Verfremdeten, bis zur möglichen Grenze, also eine Art umgekehrter Weg, hin zur Intuition.

 

6. Beschreiben Sie Ihre Arbeitsmethode?

Malerei:
Völlig planloser, intuitiver Zugriff auf Farben und Leinwand und ein ebensolcher Start der Malerei.
Da kann Farbe fließen, tropfen, mit dem Pinsel oder dem Spachtel verteilt werden oder, oder…
Ich brauche diesen chaotischen Anfang, um die Kreativiät zu wecken, die dann plötzlich in den Fluss des Arbeitsprozesses eingreift, Ideen entstehen, werden verfolgt, wieder abgebrochen, neue entstehen…
Und plötzlich ist da eine Ruhe und Konzentration und etwas kann entstehen.

Digitale Art:
Der Zufall besteht hier nur bei der Bildauswahl aus meinem riesigen Bilderarchiv. Hauptsächlich arbeite ich an einigen Serien, wie zum Beispiel „Gesichter Serie“. Mit dem Computer wird das ausgesuchte Bild dann in verschiedenen Prozessen, geschnitten, verfremdet und mit Photobearbeitungsprogrammen umgewandelt, bis etwas überraschend Neues entsteht.
 

7. Wo sehen Sie die Herausforderung Ihrer Kunst für den Betrachter?

Das manchmal Schelmische, Hintergründige, Überraschende oder auch Abgründige meiner sich permanent wandelnden abstrakten Arbeiten fordert ein vertieftes und genaueres Hinsehen und auch mal ein längeres Eintauchen in ein Bild, bis man sich damit anfreunden kann. Als Kontrast gibt es aber auch ganz simple und verspielte Bilder, zu denen man leichteren Zugang hat.

Da das gemalte Bild ja ein Teil von mir ist, braucht es natürlich aus Sicht des Betrachters einen Ansatz, wo er sich findet und wo er den Zugang hat, wo es ein Teil seiner Optik wird. Das Bild entsteht ja nochmals neu im Kopf des Betrachters.
 

8. Wann ist für Sie die Arbeit an Ihrem Kunstwerk abgeschlossen oder wirkungsvoll?

Es muss „stimmig“ sein, eine abgerundete ganze Sache. Farben, Raumaufteilung und Formen müssen eine Harmonie ergeben.

Es muss eine Aussage haben, respektive Aussagen und Interpretationen zulassen.

Es muss Bestand haben. Starke Wirkung kann zu Beginn etwas vortäuschen, das nicht von Dauer ist.

(Ich lasse ein Bild immer einige Zeit (Wochen) an einem passenden Ort hängen, bis ich mich definitiv anfreunde mit dem Ergebnis.)
 

9. Beschreiben Sie Ihr künstlerisches Anliegen?

Zufall, Intuition und die eigene Kreativität zusammenführen und in diesem Prozess eine Arbeit kreieren, die in erster Linie mich selbst erfüllt und, mit der enthaltenen Aussage, auch einen Betrachter ansprechen soll.
 

Roland Büchler, conjoint, Acryl auf Plexiglas, 60 x 80 cm, (c) Roland Büchler

Roland Büchler, conjoint, Acryl auf Plexiglas, 60 x 80 cm, (c) Roland Büchler

10. Was bedeutet für Sie der Ausdruck: „Ein Leben mit Kunst“?

Ich kann mich auf eine eigene, ganz individuelle Art und Weise ausdrücken und meine Kreativität ausleben. Es ist wie mit den Gedanken, die sind völlig frei. So auch der Umgang mit dem kreativen Schaffen, das keine Grenzen kennt, mit Ausnahme der selbst auferlegten.

Wenn auch Schaffensdrang und Kreativität manchmal fast zur Droge werden, so haben sie doch eine gewaltig beruhigende Wirkung und sorgen für sinnvolle Entfaltung der schöpferischen Lebenskräfte und schärfen die Sinne.
 
 

11. Wo kann ein Interessent Ihre Arbeit einsehen?

www.kuenstlerarchiv.ch/rolandbuechler

aktuelle Ausstellung: Salon d“été 2016, Gallery Swiss Art Space in Lausanne, 7 – 23 July 2016 (weitere Infos auch auf www.facebook.com/Swiss Art Space)

 

 

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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