Der Blog über Kunst und Inspiration

Renate Linnemeier. Das Interview

Renate Linnemeier. Künstlerin

Malerei

 
 

Das Interview

 

1. Gibt oder gab es eine Person in Ihrem Leben, die Ihr Denken und Ihre Einstellung gegenüber Ihrer Arbeit entscheidend beeinflusst oder geprägt hat?

 
Eine bestimmte Person gab es da nicht, es ist die Fülle an Begegnungen, Gesprächen, welche mich fasziniert.

Natürlich war ich von bestimmten Künstlern und ihren Werken während meines Studiums und auch später begeistert oder auch das Gegenteil, das kann ja auch sehr prägend sein.

Angefangen als 20-Jährige stand meine Bewunderung für die Farbenphilosophie Gauguins. Über ihn schrieb ich eine ausführliche Facharbeit während meines Studiums, dann Beuys, hier habe ich nach anfänglicher Ablehnung seine Experimentierfreude und Materialschlachten bewundert, besonders die Rauminstallationen und Multiples.

Und besonders Anselm Kiefer. Die Vorliebe für scheinbar wertlose Materialien, seine monumentalen Bildern, Skulpturen und Installationen.

In den letzten Jahren hat mich natürlich auch mein Lebensgefährte und Künstlerkollege sehr beeinflusst, die Gespräche über unsere Werke, das gemeinsame Experimentieren mit Materialien gehört zu unserem Alltag.
 
 

Renate Linnemeier, Künstlerfoto, Malerei (c) Renate Linnemeier

Renate Linnemeier, Künstlerfoto, Malerei (c) Renate Linnemeier

2. Wie bilden sich Ideen für Ihre Arbeit? Was inspiriert Sie?

 
Die Ideen entstehen im „Vorübergehen“.

Ich sehe vielleicht anders als Künstlerin: ein modernes Glasgebäude, rostige Tonnen, Ruinen, Graffitis, aber auch Personen, Gesichter, Stoffmuster. Es gibt nichts, was ich nicht genauer betrachte, sammle, im Gedächtnis, per Foto oder Skizze.

Dann entwickeln sich dadurch neue Werkreihen, oft mit Menschen darauf, Portraits, Szenen aus dem Alltag. Ich liebe es Menschen zu porträtieren, egal ob auf Leinwand oder wie bei meiner Werkreihe „Zaungäste“ in Kombination mit den unterschiedlichsten Materialien – eine Reihe wo noch lange kein Ende in Sicht ist, ich habe noch so viele Idee für neue Typen.

 

3. Welches Material bevorzugen Sie und warum?

 
Ich liebe es scheinbar wertloses Material, weiter zu verwerten.

Meine Zaungäste sind z.B. auf alten Hölzern entstanden, aber auch rostige Eisenteile, Türfüllungen, Baumrinden – alles ist spannend .

Meine bevorzugten Malmedien sind Acryl- und Ölmalerei, oft in einem Werk vereint.

Aber da ich seid 28 Jahren auch als Dozentin im Kreativbereich tätig bin, probiere ich allein dafür schon alles Neue aus und komme so auch immer wieder auf anderes Material oder Mischtechniken.

 

4. Wie lassen Sie sich auf eine neue Arbeit ein?

 
Mit viel Neugier.

Eine Idee ist da, wird entwickelt, verworfen, übermalt. Ein bisschen ein Kampf, den ich brauche, damit das Werk die richtige „Reife“ erhält.

 

5. Wie drückt sich Realität und Intuition in Ihrer Arbeit aus?

 
Die Realität ist zuerst da. Sie bringt mich auf neue Ideen.  Eine Begegnung, Fotos von Personen, von Gebäuden.

Ich liebe es im Neusser Hafen zu fotografieren, die Farben und Formen.

Daraus entwickelt sich dann mein ganz persönliches Werk. Fantasie und Realität, Gemaltes und Haptisches werden zu einem spannenden Gesamtkonzept.

 

6. Beschreiben Sie Ihre Arbeitsmethode?

 
Nun das ändert sich je nach Werkreihe und nach Technik.

Ich habe auf jeden Fall eine ganz bestimmte Vorstellung im Kopf, ab und an mache ich mir auch Skizzen bevor ich loslege.

Aber das Werk sieht am Ende oft anders aus. Ich lasse mich danach leiten (siehe oben „Versuch und Irrtum“) von den Farben, dem Material, meiner „inneren Stimme“.
 
 

Renate Linnemeier, Spuren, 2015, Mischtechnik, Druck auf Holz, 20 x 20 cm, (c) Renate Linnemeier

Renate Linnemeier, Spuren, 2015, Mischtechnik, Druck auf Holz, 20 x 20 cm, (c) Renate Linnemeier

7. Wo sehen Sie die Herausforderung Ihrer Kunst für den Betrachter?

 
Also wenn ich male, denke ich nicht, was wird der Betrachter sich dabei denken, wird es gefallen oder nachdenklich stimmen. Ich kann nur malen und bin nur dann ganz bei meinem Werk, wenn es um dieses Werk geht, nicht um die Außenwirkung später.

Aber natürlich stelle ich mich und mein Werk dann, bei Ausstellungen etc, dem Betrachter. Ich will ja auch was aussagen, mal eher verschlüsselt, mal ganz klar. Mal möchte ich etwas über mein Werk sagen, dann wieder ist es zu persönlich und dann ist es überraschend, was die einzelnen Betrachter in diesem Werk sehen.

Jeder hat seine eigene Geschichte und interpretiert entsprechend.

 

8. Wann ist für Sie die Arbeit an Ihrem Kunstwerk abgeschlossen oder wirkungsvoll?

Wirkungsvoll könnte ich nicht sagen, das hat mir zu viel mit Außenwirkung zu tun.

Es muss „klick“ machen!

Andere können sagen, super, das ist klasse so. Wenn es nicht dem entspricht, was ich ausdrücken möchte, dann wird weiter gearbeitet.
 
 

Renate Linnemeier, people, 2014, Mischtechnik, Öl auf Acryl auf Leinwand, 60 x 60 cm, (c) Renate Linnemeier

Renate Linnemeier, people, 2014, Mischtechnik, Öl auf Acryl auf Leinwand, 60 x 60 cm, (c) Renate Linnemeier

9. Beschreiben Sie Ihr künstlerisches Anliegen?

 
Meine Bilder sollten berühren, ob positiv oder auch nachdenklich, aber auch ein Lächeln ist schön.

Ich will die Menschen nicht vor dem Kopf stoßen, sondern ein Werk schaffen, dass man gerne immer wieder betrachtet und genug Tiefe hat, dass es nicht langweilig wird es länger zu betrachten.

 

10. Was bedeutet für Sie der Ausdruck: „Ein Leben mit Kunst“?

 
Es ist das, was ich immer wollte, Kunst schaffen, kreativ sein.

Schon als 14-Jährige stand das für mich fest.

Ich kann mir ein Leben ohne Kunst einfach nicht vorstellen.

 

11. Wo kann ein Interessent Ihre Arbeit einsehen?

 
Auf meiner homepage: www.renate-linnemeier.de

Auf facebook: Renate Linnemeier

Boesner tv „meet the artist“

 

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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