Der Blog über Kunst und Inspiration

Poquito. Das Interview

Poquito. Das Interview

Surrealismus

 

Der Künstlerin und seine Arbeit – Das Portrait eines Künstlers in Worten

 

Das Interview

 

1. Gibt oder gab es eine Person in Ihrem Leben, die Ihr Denken und Ihre Einstellung gegenüber Ihrer Arbeit entscheidend beeinflusst oder geprägt hat?

Poquito, Uwe H. Bongardt, Künstlerporträt, Surrealismus, (c) Poquito

Poquito, Uwe H. Bongardt, Künstlerporträt, Surrealismus, (c) Poquito

Ja, die gab es!

Während meines Studiums zum Werbefachmann musste ich ein Referat über einen Künstler erarbeiten. lch wählte dafür den Maler Salvador Dali aus, weil ich mich schon damals sehr für diese Form der Malerei interessierte und seit dem hält mich der Surrealismus auch gefangen.

Ich hatte das große Glück, Dali während eines Urlaubs in Portlligat, vor seinem verrückten Haus zu begegnen. Seitdem fasziniert mich dieser Künstler, seine Art, seine Arbeit und, vor allem, seine Perfektion, die seine Bilder eine Art Magie ausstrahlen lässt.

Aber es gab noch einen zweiten Maler, der mich beeinflusst hat, nämlich El Greco. Für mich der erste surrealistische Maler überhaupt. Auch er malte nicht das, was jeder sofort sehen konnte, vor allem das Schöne, sondern das, was er empfand, nämlich die Angst in den Menschen. Gerade dafür wurde er von den großen Meistern im 16 Jhdt. auch als Künstler nicht akzeptiert, bis er in Spanien seinen ersten Erfolg hatte und sesshaft wurde. Seine Lebensgeschichte hat mich tief berührt.

In den letzten zwei oder drei Jahren wandelte sich meine Arbeit aber von der surrealistischen immer mehr ab, hin zur metaphysischen Malerei.

 

2. Wie bilden sich Ideen für Ihre Arbeit? Was inspiriert Sie?

Meine Ideen für meine Arbeiten entwickeln sich nach und nach.

Meistens ist es ein bestimmtes Thema, das mich beeinflusst. Dazu entwickeln sich dann einzelne Bildmotive, die ich durch Skizzen oder, wenn möglich, auch durch Fotos, festhalte. Aus diesen Motiven ergibt sich dann langsam ein ganzes Bild, das
ich immer wieder ergänze, bis mich das Ergebnis so begeistert, dass ich sicher bin, daraus ein Gemälde zu machen.

Was inspiriert mich?  …, oftmals sind es Träume, wenn ich sie morgens noch zusammenkriege, aber auch plötzliche Ereignisse des täglichen Lebens, z. B. auf Reisen. Ich mache mir dann Notizen oder, wie gesagt, mein Fotoapparat kommt zum Einsatz.

Ich kombiniere auch gerne verschiedene Malstile miteinander.  Dabei ergeben sich völlig neue Techniken. Techniken, die es eigentlich gar nicht gibt.

 

3. Welches Material bevorzugen Sie und warum?

Vorwiegend arbeite ich mit Ölfarbe auf Leinwand, verschiedene Keilrahmen oder Holz.

Holzuntergründe ergeben besonders reizvolle Effekte, die ich so akzeptieren muss wie sie nun mal sind. Dies ist eine besondere Herausforderung. Bilder auf Holz sind aber auch sehr schwer, größere male ich lieber auf
Leinwände.

Ölfarben haben zwar ihre Nachteile, zum Beispiel ihre sehr lange Trocknungszeit. Ihre Vorteile liegen aber vor allem darin, dass sie beim mehrfachen Übermalen sich auch wieder anlösen und man dadurch besonders schöne Farbübergänge und Farbnuancen bekommt. Keine anderen Farben können das leisten. Außerdem wirken Ölfarben wertiger als alle anderen Farben.  Das behaupte ich jetzt einfach mal.

Ich kombiniere aber auch gerne verschiedene Materialien miteinander wie Ol- und Acrylfarben, Lackfarben und Metall.

 

4. Wie lassen Sie sich auf eine neue Arbeit ein?

Wenn ein Thema soweit ausgereift ist, dass ich es malen möchte.

Ich entwickle zuerst die einzelnen Bildmotive, teilweise als Ölgemälde auf kleinen Leinwänden. Gefallen sie mir, erarbeite ich daraus ein ganzes Bild.

Während ich an dem Bild arbeite, ergeben sich oftmals neue Impulse, die ich ausprobieren und teilweise mit einfließen lasse.

Es kommt häufig vor, dass ich das vermeintlich fertige Bild zur Seite stelle und es mir immer wieder ansehe. Bis es endgültig fertig ist, korrigiere ich vieles. Manche Bilder werden auch nie fertig.

 

Poquito, Nostra Etate, 2015, Ölfarbe und Gold auf Leinwand mit Schattenfuge, 60 x 60 cm (c) Poquito

Poquito, Nostra Etate, 2015, Ölfarbe und Gold auf Leinwand mit Schattenfuge, 60 x 60 cm (c) Poquito

5. Wie drückt sich Realität und Intuition in Ihrer Arbeit aus?

Realität gibt es in meinen Bildern fast nie. Und wenn, dann nur in Kombination mit Illusion und Phantasie.
Das ist meine Realität!

Sie zu Vermitteln habe ich aufgegeben. Es gibt Menschen, die sich gerne auf eine Kommunikation mit meinen Bildern einlassen. Für sie stelle ich meine Bilder gerne aus.

Meine Intuition? Wenn mich ein wirklich interessantes Thema einmal gepackt hat, muss ich es einfach irgendwie zum Ausdruck bringen. Oftmals schreibe ich kleine Geschichten darüber, die ich dann sammel oder ich mache mir Skizzen davon. Gefallen sie mir, drücke ich diese Themen in Form von Bildern aus.

Übrigens: Ich male meine Bilder vorwiegend für mich, weil ich mich so ausdrücken will und kann. Der Verkauf meiner Bilder interessiert mich wenig, Ausstellungen hingegen schon!
 

6. Beschreiben Sie Ihre Arbeitsmethode?

Zuerst schreibe ich das Thema, das mich gepackt hat, auf, entweder als Notizen oder als kleine
Geschichten.

Dann entstehen meist einzelne Bildmotive, manchmal aber auch sofort das ganze Bild.

Nun geht es schnell. Ich erarbeite die technischen Grundlagen, besorge ggf. das fehlende Material und grundiere eine entsprechende Leinwand. Ist sie trocken, bringe ich die Bildmotive auf die vorbereitete Leinwand und male sie aus.

Einzelne Motive versuche ich zuerst auf kleine Leinwände zu entwickeln, bevor ich sie aufs Original bringe.

Während des Malens und, vor allem, während der langen Trocknungszeiten, entwickeln sich noch zusätzliche Ideen, die ich mit einbringe.

Ich habe es nicht besonders eilig ein Bild fertig zu bringen, der Fleißigste bin ich auch nicht. Bis ein Bild fertig ist, kann es schon einmal ein Jahr dauern oder auch noch länger.

Aus einem Thema entstehen auch manchmal zwei oder drei verschiedene Bilder.
 

7. Wo sehen Sie die Herausforderung Ihrer Kunst für den Betrachter?

Auf diese Frage habe ich schon gewartet.

Surreale bzw. metaphysische Bilder sind selten schön und oftmals schwer zu verstehen. Sie dem Betrachter zu erklären, macht wenig Sinn! Sie ihm näher zu bringen, schon. Entweder er fühlt sich angesprochen und kommuniziert mit dem Bild, dann bin ich schon zufrieden, oder er hat keinen Bezug zu ihnen, dann ist eine Erläuterung unnötig.

Jeder Betrachter interpretiert meine Bilder für sich und in seinem gegenwärtigen Gemütszustand. Das Thema des Bildes ist sekundär und dient höchstens zur Orientierung. Jedes Bild hat mehrere Geschichten zu erzählen, je nach dem, wie ich mich gerade fühle.

Genau das soll rüber kommen, gefallen brauchen sie nicht!
 

8. Wann ist für Sie die Arbeit an Ihrem Kunstwerk abgeschlossen oder wirkungsvoll?

Abgeschlossen? Wenn ich tot bin!

Im Grunde ist ein Kunstwerk nie wirklich abgeschlossen. Das Leben und meine Träume sind ja auch erst wirklich abgeschlossen, wenn ich tot bin! Ich arbeite oftmals noch nach Jahren an einem Bild und perfektioniere es.

Aber nun mal ernsthaft! Wenn keine Idee mehr hinein passt und seine Aussage rund ist, ist es endgültig fertig.

Wenn ich glaube, dass es seine volle Wirkung erreicht hat, stelle ich es der Öffentlichkeit vor. Erst dann würde ich ein Bild abgeben!
 

9. Beschreiben Sie Ihr künstlerisches Anliegen?

Mit meinen Arbeiten möchte ich mich ausdrücken. Das beschreiben, was ich anders nicht besser sagen kann.

Ich male meine Bilder ausschließlich für mich. Der Verkauf ist mir egal! Wollte ich damit reich werden, würde ich schöne Bilder malen, irgendeinen Stil, der möglichst vielen Menschen gefällt.

Darin sehe ich aber nicht den Sinn der Kunst im Allgemeinen!
 

Poquito, "Wanderer über dem Meer der Phantasie!"...oder die plötzliche Begegnung mit der eigenen Phantasie! 2015-2016, Ölfarbe mit Gold auf Leinwand und Schattenfuge, abgewandelte Figuren von Salvador Dali, Caspar David Friedrich und von mir, 60 x 80 cm (c) Poquito

Poquito, „Wanderer über dem Meer der Phantasie!“…oder die plötzliche Begegnung mit der eigenen Phantasie! 2015-2016, Ölfarbe mit Gold auf Leinwand und Schattenfuge, abgewandelte Figuren von Salvador Dali, Caspar David Friedrich und von mir, 60 x 80 cm (c) Poquito


 

10. Was bedeutet für Sie der Ausdruck: „Ein Leben mit Kunst“?

Der Begriff Kunst ist wesentlich umfangreicher als man allgemein hin annimmt.

Das Leben selbst ist ja schon Kunst!

Mit Kunst leben bedeutet aber auch, sich mit den Dingen zu umgeben oder zu beschäftigen, die zu meiner Lebensphilosophie passen und ich mit meinen Umfeld korrespondieren kann. Andernfalls fühle ich mich allein und verlassen.

Ein Leben mit Kunst bedeutet für mich seelische Ausgeglichenheit.
 
 

11. Wo kann ein Interessent Ihre Arbeit einsehen?

Auf einer meiner Ausstellungen. Das wäre am besten.

Oder in meinem Atelier, dort habe ich auch eine kleine Galerie, geht aber nur nach Absprache.

Und natürlich auf meiner Homepage (www.poquitoart.jimdo.com). Dort kann man auch  über Termine für einen Besuch in meinem Atelier mit mir abstimmen.

Im Feldschlößchen, in Essen, hängt übrigens stets ein Bild von mir.

 

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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