Der Blog über Kunst und Inspiration

Peter K. Endres. Das Interview

Peter K. Endres. Das Interview

Phantastischer Realismus

 

Der Künstler und seine Arbeit – Das Portrait eines Künstlers in Worten

 

Das Interview

 

Peter K. Endres, Künstlerfoto, Phantastischer Realismus, (c) Peter K. Endres

Peter K. Endres, Künstlerfoto, Phantastischer Realismus, (c) Peter K. Endres

1. Gibt oder gab es eine Person in Ihrem Leben, die Ihr Denken und Ihre Einstellung gegenüber Ihrer Arbeit entscheidend beeinflusst oder geprägt hat?

Am Anfang war es nur die NATUR, welche mich bis heute völlig fasziniert und dann kamen Märchen, Fabeln und Fantasy- und Science Fiction-Romane hinzu: Sozusagen vom Wald ins unendliche Weltall.

Mit 15 lernte ich den freischaffenden Maler und Künstler Heinz Altschäffel in Schweinfurt kennen. Er förderte ab 1971 mein Talent besonderes im Bereich ZEICHNUNG:

Erst mit dem Bleistift Strukturen lernen, um dann zu zeichnen wie eine Fotografie.
 
 

2. Wie bilden sich Ideen für Ihre Arbeit? Was inspiriert Sie?

Ich bin ein visueller Mensch und merke mir immer auffallende Motive und Erlebnisse aus Flora und Fauna.

Dies mischt sich mit gelesenen Geschichten und erlebten Situationen im zwischenmenschlichen Bereich.

Ich male und zeichne die Emotionen.  –  Dadurch bin ich voll von Ideen und Motiven.

 

3. Welches Material bevorzugen Sie und warum?

Einzig die Umsetzung meiner „Bild-Geschichten“ bereitet mir Schwierigkeiten, zumal manches Material plötzlich nicht mehr hergestellt wird (Schöllerhammer Zeichenkarton G4 dich MATT) – der einzige Karton auf dem man mit Bleistift und mit Farbtuschen gleichzeitig arbeiten konnte, ohne das sich der Untergrund wölbte.

Ich musste also schweren Herzens ZEICHNUNG und MALEREI trennen:

Somit entstehen reine Zeichnungen separat auf Papier und/oder Zeichenkarton in Schwarz/Weiß und bunte Farbgeschichten auf Leinwand.

Dafür mische ich chinesische und japanische Farbtuschen mit Acryl, meist mit Titan White, dazu Ölkreiden, Lacke und allerlei notwendige Accessoires, um auch collagenhaft eine neu erdachte Motivgestaltung zu ermöglichen.

Die Farbtuschen gewährleisten eine intensivere Leuchtkraft über viele Jahrzehnte hinweg.

 

4. Wie lassen Sie sich auf eine neue Arbeit ein?

Ich laufe mit offenen Augen durch die Welt und dadurch ergeben sich viele, viel zu viele Bildideen.

Um keinen BlackOut zu riskieren, habe ich mir im Kopf verschiedene „Denk-Schubladen“ eingerichtet. Da schiebe ich „gesehene Bilder“, Gefühlsausbrüche und Ideen separiert rein …

also nach HINTEN in den Kopf, damit ich VORNE Platz habe und mich weiterhin in der Realität bewege.

Das hat mir auch sehr geholfen bei meiner Tätigkeit als Mediengestalter in Werbeagenturen …

UND irgendwann ist dann im Kopf das Bild oder eine ganze Bildserie soweit fertig, dass ich sofort ins Atelier MUSS. Das ist dann wie ein Zwang, dem ich natürlich gerne nachgebe.
 

5. Wie drückt sich Realität und Intuition in Ihrer Arbeit aus?

Mein lang geübter Zeichenstil, mich realistisch ausdrücken zu können, erleichtert mir natürlich ungemein ein THEMA umzusetzen.

Zusätzlich erlaube ich mir durch die fließende Lebendigkeit der Farben spontane Änderungen – ICH LASSE ZU.

Es können sich MOTIV und auch AUSSAGE während des Schaffens völlig verändern, wenn aktuelle Ideen in den Vordergrund drängen. Dann entsteht die vorherige Idee zu einem späteren Zeitpunkt, wenn sie dann reif genug ist.

Ich benötige also beides: Realität und Intuition UND mische sie zusätzlich mit meiner Phantasie und meinem eigenen Stil.

 

Peter K. Endres, Der RABE, die ENTE ..., 2015, Acryl, Farbtuschen, Ölkreide, Goldlack auf Leinwand, 50 x 70 cm © Peter K. Endres

Peter K. Endres, Der RABE, die ENTE …, 2015, Acryl, Farbtuschen, Ölkreide, Goldlack auf Leinwand, 50 x 70 cm © Peter K. Endres

6. Beschreiben Sie Ihre Arbeitsmethode?

Für „farbige Bildgeschichten“ lege ich mehrere vorskizzierte Leinwände parat. DENN, wenn ich eine tolle Farbe mische aus Acryl und Farbtuschen, dann gibt es diese Farbe nur ein einziges Mal. Genau nur an diesem Tag. Somit benutze ich diese Farbe dann auch gleich auf mehreren Bildern.

Meine Leinwand liegt flach – sonst läuft die Tusche weg – und ich kann von vier Seiten an meinem Bild arbeiten, was mir eine größere Flexibilität bietet.

Im Gegensatz zur Ölmalerei habe ich mit einem Haarföhn sofort ein trockenes Bild, kann sofort schmierfrei übermalen, bekleben, ändern etc. und kann es dann zum Betrachten und Nachdenken auf die Staffelei stellen …

Für meine Zeichnungen benötige wenig: Bleistifte B2 – B6, Spitzer, Radiergummi und dickes Zeichenpapier bzw. Zeichenkarton. Selbstverständlich schaue ich mir vorher Papageien an, wenn ein Papagei im Bild vorkommen soll. Ich studiere ganz klar den Aufbau von Federn, Krallen und Proportionen. ABER wie ich ihn dann darstelle, bleibt einzig mir vorbehalten und wenn er zwei Köpfe will, dann bekommt er sie auch.

 

7. Wo sehen Sie die Herausforderung Ihrer Kunst für den Betrachter?

Oh, da bin ich zwiespältig.

Ich mache es mir wirklich nicht leicht, aber ich kann kein Gänseblümchen malen, um des Gänseblümchens Willen. Auch wenn sich ein Sonnenuntergang besser verkauft als das Porträt eines gequälten Mobbing Opfers: meine Bilder MÜSSEN einfach entstehen und aus meinem Kopf raus – denn ICH HABE AUSSAGEN.

Wenn ein Betrachter bei meinen Zeichnungen bzw. Bildmotiven und/oder dargestellten Themen erschrickt – denn sie kehren oft das Innere nach Außen – dann habe ich ihn schon berührt – damit HABE ICH FERTIG.

Wenn Betrachter länger als erwartet vor einem Bild stehen bleiben oder, was auch wirklich passiert, mit anderen davor über das Werk sprechen: “ … ich sehen da ein Pferd …..!“ oder : „… das ist kein Pferd, das ist ein Pegasus … nein … ich sehe da ein Schiff das fliegt … !?“ – damit HABE ICH wunderbar FERTIG.

 

8. Wann ist für Sie die Arbeit an Ihrem Kunstwerk abgeschlossen oder wirkungsvoll?

Manche Bilder brauchen wirklich Jahre.

Ich habe immer 10 – 20 angefangene Leinwände parat, ebenso angefangene Zeichnungen, wenn Ideen schneller weg sind als die Farbe trocken (ha ha ha) … nein, es liegt auch daran, dass ich auf fast fertigen Bildern oder angefangenen Bilder mich wohler fühle.

Wahrscheinlich ist das die Angst des Künstlers vor einer weißen Leinwand. Außerdem merke ich mir nicht, was auf solchen Bildern eigentlich schon drauf ist. Ich hole sie hervor und überrasche mich selbst damit. Oft springt dann meine momentane Intuition über auf „was Älteres“ und es entsteht dann wieder ein völlig neues Werk.

Abgeschlossen … nein, eigentlich ist kein Bild von mir abgeschlossen: es ist nur RAUS … also öffentlich optisch zum Betrachten.

Wirkungsvoll … sind meine „ehrlichen“ Bilder, denn sie wirken. Man mag sie oder man findet sie gruselig. Übersehen wurden sie noch nie! Auch wenn das jetzt ein Eigenlob ist!

 

9. Beschreiben Sie Ihr künstlerisches Anliegen?

Mein künstlerisches Anliegen besteht darin, dass ich jedes Thema umsetzen darf, will und kann.

Wenn nicht die Künstler, wer soll denn sonst Schönheit und Grausamkeiten gleichermaßen dem Volk zur Vorlage bringen, ZUM DENKEN anregen?

Aufregung vor einem dargestellten Werk ist ein zusätzlicher Lohn an mich. Ich habe was bewegt.

Ich erdreiste mich, z. B. mit meinen Serien über MOBBING-Opfer, Tierleid und Umweltsünden genauso vorstellig zu werden, wie mit augenzwinkernden Motiven, Fabelwesen, Lustiges aus der Antike und/oder erfundenen Geschichten.

Ich kann wachrütteln und belustigen.

 

Peter K. Endres, DAS KANU - the canoe, 2014, Zeichnung auf Papier, 42 x 30 cm, © Peter K. Endres

Peter K. Endres, DAS KANU – the canoe, 2014, Zeichnung auf Papier, 42 x 30 cm, © Peter K. Endres

10. Was bedeutet für Sie der Ausdruck: „Ein Leben mit Kunst“?

Ich male und zeichne schon mein ganzes Leben, auch wenn man davon nicht sein Leben finanzieren kann.

Ich BIN, weil ich Kunst schaffe.

Ja, ich mache oder machte natürlich noch vieles mehr. Ich bin auch gelernter Schriftsetzer, Fotosetzer, Zeitungsmetier, Computergrafiker, DTP-Operator, Druckvorlagenhersteller, Mediengestalter und auch mal Museumswärter. Damit aber finanziert man sich nur.

Mein gelebtes Leben bisher besteht aber … aus Kunst … mit Kunst … in Kunst … künstlerisch sein.

 

11. Wo kann ein Interessent Ihre Arbeit einsehen?

Auf meiner Homepag : www.peterkendres.jimdo.com

oder

auf facebook: www.facebook.com/peter.k.endres

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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