Der Blog über Kunst und Inspiration

Michael Krippendorf. Das Interview

Michael Krippendorf. Künstler

CollagenArt

Der Künstler und seine Arbeit – Das Portrait eines Künstlers in Worten

 

Das Interview

 

1. Gibt oder gab es eine Person in Ihrem Leben, die Ihr Denken und Ihre Einstellung gegenüber Ihrer Arbeit entscheidend beeinflusst oder geprägt hat?

Michael Krippendorf, Künstlerfoto, CollagenArt, (c) Michael Krippendorf

Michael Krippendorf, Künstlerfoto, CollagenArt, (c) Michael Krippendorf

Eine bestimmte Person gab es nicht. Vielmehr hat mich mein berufliches (Tischlergeselle) und privates Interesse am künstlerischen Geschehen zur Zeit des Jugendstils dazu inspiriert, Collagenwerke zu bauen.

Künstler aus dieser Zeit wie z. B. Kurt Schwitters, Juan Gries oder Wassily Kandinsky haben mich sehr angeregt. Aber auch Kunstschaffende der neueren Zeitgeschichte wie beispielsweise Bernhard Luginbühl, Max Ernst und Uwe Jaensch (Eisenwerker) haben meinen künstlerischen Horizont erweitert.

 

2. Wie bilden sich Ideen für Ihre Arbeit? Was inspiriert Sie?

Für meinen Fundus sammele ich Alltagsgegenstände, die ich von der Form, der Farbe, ihrer Funktion und ihrer zeitgeschichtlichen Einordnung her für interessant halte, z. B. ein alter Fleischwolf, ein Nähmaschinenhandrad, ein altes Bügeleisen (ohne Strom, ohne Kohle) , Fahrrad- und Computerteile.

Bevor ich eine Collage baue, erstelle ich keine Zeichnung und mache keinen Plan. Auch ein vorgegebenes Motto gibt es nicht. Das einzelne Werkstück entsteht mittels ausprobieren, d. h. welche Gegenstände oder Objekte in welcher Kombination für mich ein stimmiges Bild ergeben.

Dabei folge ich meiner Lebenseinstellung: Gib dem Zufall eine Chance!

Mein Fundus ist mir dabei sehr hilfreich.
 

3. Welches Material bevorzugen Sie und warum?

Ich bevorzuge Naturmaterialien wie Holz, Metall, Leder, Keramik, Glas und Perlmutt, da diese – anders als Kunststoffe – mit Würde altern.

Bei Baumaterialien wie z. B. Kunststoff oder Beton fallen nutzungsbedingte Schwachstellen immer unangenehm auf. Es entsteht kein Alterscharme.

Ein Beispiel: Eine Betonwand mit Holzmusterung altert anders als eine Backsteinfassade. Das heißt. dass ich auch sehr gerne rostige alte Werkzeuge in meine Werke einbaue.

Michael Krippendorf, No Action, 2016, Objektskulptur, CollagenArt, (c) Michael Krippendorf

Michael Krippendorf, No Action, 2016, Objektskulptur, CollagenArt, (c) Michael Krippendorf

 

4. Wie lassen Sie sich auf eine neue Arbeit ein?

Dazu ein kleines Beispiel zu einer Werkentwicklung:

Ich habe aus meinem Materialfundus ein sehr altes Bügeleisen auf meiner Werkbank stehen. Das Bügeleisen regt mich bei seiner Betrachtung an, es mittels anderer Gegenstände, möglichst mit zeitgeschichtlicher Bedeutung, wie etwa ein Dampflokrad, auf eine Zeitreise zu schicken.

Auch für neuere zeitgeschichtliche Entwicklung gibt es Objekte, z. B. Computerchipkühlbleche.
 

5. Wie drückt sich Realität und Intuition in Ihrer Arbeit aus?

Die zeitgeschichtliche bzw. entwicklungsgeschichtliche Einordnung aller Collagenteile ist eine Realität.

Intuitiv entscheide ich bei der Werkfertigung von Fall zu Fall, welches Teil noch oder nicht zum Gesamtbilde passt. Meine Intuition speist sich aus dem Denkansatz zeitgeschichtliches Geschehen anhand von Bauteilen dem Betrachter in Erinnerung zu rufen.
 

6. Beschreiben Sie Ihre Arbeitsmethode?

Meine Arbeitsweise stellt sich wie folgt dar:

  1. Recherche bzw. sammeln von Baumaterial auf speziellen Flohmärkten und Schrottplätzen, in Antiquitäts- und Fahrradläden etc. für meinen Fundus.
  2. Ein Basis- bzw. Sockelteil bestimmen (z.B. Fleischwolf, Bügeleisen).

  3. Auswahl eines Gerüstteils zur Montage von weiteren Werkteilen (z. B. Fahrradbremsscheibe).

Die Kombination der o. g. Teile muss für mich ein ansprechendes Bild ergeben.
 

7. Wo sehen Sie die Herausforderung Ihrer Kunst für den Betrachter?

Der zeitgeschichtliche Kontext ist für mich die vierte Dimension. Alles, was Menschen herstellen/produzieren, hat einen gesellschaftspolitischen und wirtschaftspolitischen Bezugsrahmen.

Die Collagenteile für die Objektskulpturen und Wandcollagen verwende ich bewusst im o. g. Zusammenhang. Zwischen der Erfindung der Dampflok und einem Computerchipkühlblech liegt nicht nur eine großartige technicsche, sonder auch eine bedeutende gesellschaftliche Entwicklung.

Dem Betrachter geht es zuerst darum den jeweiligen Funktionszusammenhang der Collagenteile zu ergründen. Erst nach dieser Betrachtungsphase kommt der gesellschaftliche Kontext ins Spiel.
 

8. Wann ist für Sie die Arbeit an Ihrem Kunstwerk abgeschlossen oder wirkungsvoll?

Ich habe ein Werk fertig, wenn bei einer Wandcollage oder einer Objektskulptur die Teile verbaut sind, die ich für wichtig erachte und für mich das optische Bild stimmig ist.

Michael Krippendorf, Bio-tec, 2009, Wandbild, CollagenArt, buntes geometrisches Holz, grünes Treibholz, Metall, (c) Michael Krippendorf

Michael Krippendorf, Bio-tec, 2009, Wandbild, CollagenArt, buntes geometrisches Holz, grünes Treibholz, Metall, (c) Michael Krippendorf

 

9. Beschreiben Sie Ihr künstlerisches Anliegen?

Lebensqualität ist für mich gleichbedeutend mit Spaß haben im Leben.

Ich möchte, das der Betrachter meiner Werke Spaß daran hat herauszufinden, in welchem Funktionszusammenhang diese Werkteils gestanden haben bzw. verwendet wurden.

Es ist mir ein Anliegen, den Betrachter dazu anzuregen mittels meiner Collagenteile die vierte Dimension – das meint den zeitgeschichtlichen Kontext – in seine Gedankenwelt miteinzubeziehen.

Mythos Technik bedeutet für mich, dass man Aussagen, wie z. B. „unsinkbar“ (Titanic) oder „katastrophensicher“ (Fukushima) nicht vertrauen kann und darf. Für mich gibt es keine technischen Probleme oder Risiken, sondern nur menschliche. Somit gibt es auch keine intelligente Technik. Auch noch so gute technische Problemlösungen bergen Risiken und Nebenwirkungen – offensichtlich oder sehr versteckt. Der oben beschriebene technokratische Denkansatz vertraut ohne Skrupel bzw. Empathie (Bauchgefühl) auf die Technik, auf Kosten-Nutzen-Rechnung, vor dem Gesetz sich alle gleich, Befehl ist Befehl oder das Minimaxprinzip.

 

10. Was bedeutet für Sie der Ausdruck: „Ein Leben mit Kunst“?

Für mich fängt Kunst beim Kunsthandwerk an. Kunst und Handwerk gehören zueinander.

Ein Kunstwerk ist für mich z. B. auch ein optisch gelungenes Haus, egal ob Alt- oder Neubau. Ich beziehe meine Lebensumgebung mit in meine Einstellung zur Kunst ein.

Meine Lebensqualität mach sich nicht nur an großen, bedeutenden Werken fest, sonder auch im o. g. Kleinen. Ein ergänzendes Beispiel: Mich begeistert auch ein verziertes, rostiges Werkzeug.

Mein Credo lautet: „Mit einem Kunstwerk leben zu wollen, bedeutet eine Freundschaft zu erleben, die man nicht mehr missen möchte.“

Für mich ist Kunsthandwerk gleichwertig zu Bildender Kunst. Ich mach diesbezüglich keine Wertungsunterschiede. Sowohl das eine als auch das andere trägt positiv zu meiner Lebensqualtät bei.
 

11. Wo kann ein Interessent Ihre Arbeit einsehen?

Bei Interess an meinen Werken besuchen Sie gerne

meine Webseite unter: www.collagen-art-4d.de

Oder wenden Sie sich direkt an mich per Email: michael_krippendorf@yahoo.de

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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