Der Blog über Kunst und Inspiration

Ilse Heffler. Das Interview

Ilse Heffler. Künstlerin

Malerei

 
 

Das Interview

 

Ilse Heffler, Künstlerfoto, Malerei, (c) Ilse Heffler

Ilse Heffler, Künstlerfoto, Malerei, (c) Ilse Heffler

1. Gibt oder gab es eine Person in Ihrem Leben, die Ihr Denken und Ihre Einstellung gegenüber Ihrer Arbeit entscheidend beeinflusst oder geprägt hat?

Ich spreche nur sehr selten darüber, aber Ja, die Person gab es. Ein ganz schlimmer und tragischer Schicksalsschlag für mich, etwas, was mich heute noch beschäftigt und mich auch mein ganzes weiteres Leben begleiten wird.

Ans Malen wurde ich zum ersten Mal Anfang 2013 in einer Kunsttherapie herangeführt. Für mich ein tiefgreifendes, unvergessliches Erlebnis, denn ich war und bin noch immer überwältigt wie stark Farben, Formen, aber auch Materialien Einfluss auf den Körper, den Geist und die Seele haben können.

Auch heute, wenn es mir schlecht geht, male ich meine, wie ich sie nenne, „Therapiebilder“. Das ist dann meistens erst einmal ein Frustbild, aber es gelingt mir immer öfter, auch das Gegenstück dazu zu malen. Das ist es, was zählt und mich motiviert!!

Das Malen hat mir durch die schwerste Zeit meines Lebens hindurch geholfen und ist heute zu meinem Hobby und meiner großen Leidenschaft geworden, was ich nie mehr missen möchte!!!

 

2. Wie bilden sich Ideen für Ihre Arbeit? Was inspiriert Sie?

Ich bin ja, wenn man so will, noch Anfängerin, so ging es mir 2013/2014 erst einmal darum „WIE MALE ICH WAS…“, habe mich also vorwiegend auf Technik, Farben, Formen und Stile konzentriert und verschiedenes ausprobiert. 2015 habe ich dann mit der Entwicklung eigener Ideen begonnen, meine eigene Kreativität angetrieben und meinen Bilder sozusagen Leben eingehaucht, aber es fehlte noch immer etwas….

Auf einmal habe ich bemerkt, dass ich ganz anders durchs Leben gehe, viel mehr meine Umwelt wahrnehme, die Natur, die Menschen und Ereignisse mit ganz anderen Augen sehe und betrachte. Aufmerksam, interessiert und viel intensiver, manchmal sogar analytisch und immer auf der Suche nach „dem“ Motiv!! Was früher „nur ein Baum“ war, ist heute auch ein Baum, aber mit vielen kleinen Details die ich mir sehr genau ansehe => Baumart, Rinde und Geäst, das Blattwerk, den Wuchs und all seine wunderbare Farben und Farbnuancen. Schon ist der Baum nicht mehr „nur ein Baum“, sondern es ist ein Freund, den ich gerade kennenlerne mit einem Namen, einer Statur, einem Gewand und ja auch mit einem Charakter. Ich sehe sein Lächeln oder sein grimmiges Gesicht!!

Das ist dann der letzte noch fehlende Baustein, den ich versuche meinen Bilder mit beizugeben, neben dem Leben auch die spürbare Emotion, die Seele sozusagen und hoffe, dass mir das immer öfter gelingen möge.

 

3. Welches Material bevorzugen Sie und warum?

Im Moment sind Acrylfarben, Polychromos und Prismacolor premier Stifte meine Favoriten, aber ich will mich unbedingt auch in Öl und Aquarell weiter versuchen.

Acrylfarben finde ich durch das schnelle Trocknen toll. Das schnelle Trocknen hat aber auch einen Nachteil, wenn man großflächig malen will und auch bei den Farbübergängen muss man gut geübt sein. Da denke ich, dass Öl das bessere Mittel ist.

Mit Polychromos auf Ölbasis und in Kombination mit den Prismacolor premier Stiften auf Wachsbasis hergestellt, kann man sehr detailliert malen und das liebe ich. Ich kombiniere sehr oft und sehr gerne alle 3 und auch noch weitere Farbmaterialien in einem Bild. Das macht mir großen Spaß!!

Auch mein aktuell in Arbeit befindliches Bild „das Mädchen Anni“ ist in Mischtechnik: zusätzlich zu den bereits oben erwähnten Materialien verarbeite ich hier auch Ölfarben….

 

Ilse Heffler, "das Mädchen Anni", Mischtechnik (Acryl, Öl und Polychromos), 50 x 65 cm; (c) Ilse Heffler

Ilse Heffler, „das Mädchen Anni“, Mischtechnik (Acryl, Öl und Polychromos), 50 x 65 cm; (c) Ilse Heffler


 

4. Wie lassen Sie sich auf eine neue Arbeit ein?

Am Anfang wusste ich nicht so recht, was ich malen soll oder kann. Mittlerweile habe ich so viele Gedanken und Ideen im Kopf, dass ich gar nicht weiß, welche ich zuerst aufgreifen soll.

Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern weiß ich, wenn ich ein neues Bild anfange, ganz genau, was ich malen will. In meinen Gedanken existiert das Bild bereits. Das heißt aber nicht, dass es am Ende dann auch genauso aussieht, denn während des Malprozesses durchlebt mein Gedankenbild mit jedem Arbeitsschritt eine Wandlung und Komplettüberprüfung. Was mir nicht gefällt, wird geändert, neu überdacht, neu gestaltet und bei Bedarf auch neu übermalt. So kann es gut möglich sein, dass am Ende das gemalte Bild in den Details mein Gedankenbild widerspiegelt, aber doch ganz anders aussieht!!

 

 

5. Wie drückt sich Realität und Intuition in Ihrer Arbeit aus?

Die Realität ist immer da, in jedem meiner Gedankenbilder, aber die Intuition entscheidet letztendlich, welches Bild ich dann male. Das kann manchmal ganz spannend sein.

Oftmals habe ich tage- oder wochenlang ein bestimmtes Bild im Kopf, wo ich mir sage „ja das male ich als Nächstes“. Dann, kurz bevor ich damit anfangen will, von einer Sekunde auf die andere, entscheide ich mich komplett um und male ein ganz anderes Bild, dass ich zwar auch schon immer in Gedanken gehabt habe, aber das nicht so präsent wie das erste….

 

6. Beschreiben Sie Ihre Arbeitsmethode?

Viele arbeiten im Vorfeld mit Skizzen. Ich zwar auch, aber relativ wenig.

Meine Ideen und Bilder kann ich am besten in meiner Gedankenwelt entwickeln, wieder verwerfen und neu gestalten. Erst wenn mein Gedankenbild sich nicht weiter verändert, skizziere ich dieses kurz mit ein paar Strichen, eher nur als Andeutung auf ein Stück Papier. Dann zeichne ich das Bild komplett. Mal mehr, mal weniger detailliert, abhängig vom Motiv, auf das von mir gewählte Medium vor. Das tue ich so gut wie bei jedem meiner Bilder, egal ob auf Leinwand oder Papier.

Wenn ich eine Vorlage benutze wie zum Beispiel bei meinem Tigerbild oder dem Portrait der Brigitte Bardot, wie auch in meinem aktuellen Bild „das Mädchen Anni“, benutze ich beim Vorzeichnen die Rastermethode, um die Proportionen so genau wie nur möglich hinzubekommen. In dieser Hinsicht bin ich dann doch zu perfektionistisch veranlagt. Mein Freihandzeichnen baue ich noch aus, damit ich selbst zufrieden sein kann!!

 

7. Wo sehen Sie die Herausforderung Ihrer Kunst für den Betrachter?

Ilse Heffler, Verloren im Labyrinth, Acryl auf Leinwand, 60 x 70 cm, (c) Ilse Heffler

Ilse Heffler, Verloren im Labyrinth, Acryl auf Leinwand, 60 x 70 cm, (c) Ilse Heffler

In erster Linie male ich ja für mich selbst. Trotzdem ist es mir ein Anliegen, meine Gedanken und Emotionen ein Stück weit auch dem Betrachter meiner Bilder nahe zu bringen. Sage bewusst „ein Stück weit“, denn es ist schon immer wieder spannend zu sehen und zu hören, wie unterschiedlich die Empfindungen und Interpretationen bei den Betrachter sein können.

Ganz intensiv habe ich das bei meinem Bild „Verloren im Labyrinth, keiner weiß welche Wege und Türen die Richtigen sind“ erlebt. Der Titel gab dann nochmal neuen Interpretationsstoff, aber schon in die von mir gewünschte Richtung. Da habe ich gelernt, dass der Titel eines Bildes genau so wichtig sein kann wie das Bild selbst!!

Das erwähnte Bild ist ein Herzensbild von mir, deshalb war es mir wichtig, hier einen Teil meiner Emotionen und Empfindungen an den/die Betrachter zu transportieren. So habe ich auch ein Gedicht dazu verfasst. Ansonsten kann, darf und soll jeder seine eigene Meinung und Interpretation entfalten und kundtun.

Ein „Gefällt mir“ ist immer willkommen.

Konstruktive Kritik aber auch!!
 

8. Wann ist für Sie die Arbeit an Ihrem Kunstwerk abgeschlossen oder wirkungsvoll?

Das ist für mich immer wieder ein schwieriger Moment. Auch hier steht mir mein Perfektionismus oftmals im Wege!!

Es muss in erster Linie bei mir Klick machen. Unabhängig, was andere dazu sagen und/oder meinen.

Ich lasse das Bild immer noch einige Zeit auf der Staffel stehen. Blicke immer wieder drauf, mache Fotos, sehe mir diese auch immer wieder an und oftmals ist es nur noch ein Strich hier oder da, aber genau dieser Strich hat noch gefehlt, bis ich dann für mich entscheiden kann…:“Ja jetzt ist es fertig“

Ein Künstler sagte mir mal: „Der richtige Moment aufzuhören ist auch eine Kunst.“ Und er hatte recht!!!

 

9. Beschreiben Sie Ihr künstlerisches Anliegen?

Mein künstlerisches Anliegen? Ich weiß nicht, ob ich eines habe….

Ich male in erster Linie für mich selbst, male mir die Welt wie sie MIR gefällt. Ich habe keine Richtung und/oder Stil, an den ich mich halten muss, will oder soll.

Habe das Privileg dass ich nicht davon leben muss und das befreit.  Ich male, wann ich will und kann, mal mehr oder weniger, je nachdem wie ich Zeit und Lust habe.

 

10. Was bedeutet für Sie der Ausdruck: „Ein Leben mit Kunst“?

Inzwischen sehr, sehr VIEL. Kunst ist zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden. Kann mir mein Leben ohne das Malen gar nicht mehr vorstellen!!

Ich male, wenn es mir schlecht geht, aber genauso, wenn es mir gut geht. Auch zum Ausgleich zu meinem oftmals sehr stressigen Beruf, den ich aber liebe. Ich kann mir auch nicht vorstellen, beruflich was anderes zu tun.

Das Malen ist mein Hobby, mein Wegbegleiter, mein Freund und Helfer!!

 

11. Wo kann ein Interessent Ihre Arbeit einsehen?

Auf meiner Webseite: www.ilsesart.jimdo.com
und auf Facebook: www.facebook.com/ilse.heffler

 

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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