Der Blog über Kunst und Inspiration

Heike Cybulski Interview

Heike Cybulski, Künstlerin

Malerei und Stahlplastik

 

 

Das Interview

 

Heike Cybulski, bildende Künstlerin, Malerei und Stahlplastik, Foto: © by Petra Leibner 2015

Heike Cybulski, bildende Künstlerin, Malerei und Stahlplastik, Foto: © by Petra Leibner 2015


 

1. Gibt oder gab es eine Person in Ihrem Leben, die Ihr Denken und Ihre Einstellung gegenüber Ihrer Arbeit entscheidend beeinflusst oder geprägt hat?

Auslöser und Begleiter meiner Kunst ist bis heute hauptsächlich die Musik. Es gibt Musiker, die mich auf wunderbare Weise beeinflusst haben und dies immer noch tun, es gibt viele Songs die mich zutiefst berühren. Ich bringe jedoch nicht den Inhalt eines bestimmten Liedes auf die Leinwand, es sind eher die eigenen Gedanken und Gefühle, die ich beim Hören dabei entwickle, verbunden mit eigenen Erlebnissen und Begebenheiten.

 

2. Wie bilden sich Ideen für Ihre Arbeit? Was inspiriert Sie?

Ich arbeite intuitiv – also von Innen heraus, das heißt: ich benötige in beiden meiner Kunstformen keine Skizzen, keine Vorentwürfe, ich male nichts ab oder gestalte etwas nach.

Für den Malprozess benötige ich eine Art musische Atmosphäre. Diese schaffe ich mir durch Gedanken und Musik. Ich übertrage diese Stimmung in einem spontanen Malakt auf die am Boden liegende Leinwand.
Neben der Musik inspirieren mich auch Reisen -z.B. ans Meer. Ich mag die Weite, den Horizont, das Wasser, das Urige, ohne dass ich dies bewusst als Motiv in meinen Bildern verwenden möchte. Es sind eher diese Empfindungen, das Gefühl. Ich verbinde mit dem Meer zum Beispiel auch Begriffe wie Sehnsucht, Aufbruch, Heimweh oder Fernweh.

In der Bildhauerei ist die Ausgangssituation eine andere, das Arbeitsmilieu ist laut und dreckig. Mich reizt die Bewältigung des harten Materials, auch der faszinierende Schweißprozess an sich, Stahl miteinander zu verbinden, begeistert mich enorm. Inspiriert und angetrieben werde ich durch den Wunsch etwas Einzigartiges erschaffen zu wollen, eine Umwandlung aus alten Stahlresten der industriellen Fertigung (Schrott) zu etwas Schönem. Dies ist für mich immer wieder spannend und faszinierend. Ideen zu neuen Plastiken bekomme ich u.a. durch die Vielzahl der unterschiedlichen Formen meines Ausgangsmaterials.

 

3. Welches Material bevorzugen Sie und warum?

Meine Malmittel sind hauptsächlich Tusche- und Acrylfarben, gelegentlich Lack. Diese Farben haben für mich den großen Vorteil das sie schnell trocknen. Ich benutze unterschiedliche Techniken, überlagere mehrere Farbschichten, experimentiere mit unterschiedlichen Trocknungsstufen der Farbmaterialien (z.B. Nass-in-Nass-Technik mit Acryl und Tusche), bringe Farbe auf und kratze oder frottiere sie wieder ab. Der daraus entstandene Hintergrund bietet mir vielfältige Möglichkeiten das Bild weiter aufzubauen. Der Bildträger ist Leinwand.

Für meine Stahlplastiken verwende ich Reste aus der Stahlbauindustrie. Ich mag dieses schroffe Material, das Grobe. Die Schönheit dieses Werkstoffes wird erst mit jedem neuen Schritt im Arbeitsprozess sichtbar. Manchmal kombiniere ich auch Stahl mit einzelnen Holzelementen, die jedoch nicht dominieren, sondern nur ergänzend wirken sollen und somit ein interessantes Zusammenspiel liefern. Die Tatsache, dass mein Arbeitsmaterial aus Fundstücken besteht, macht jedes Kunstwerk zu einem einzigartigen Unikat.

 

4. Wie lassen Sie sich auf eine neue Arbeit ein?

Heike Cybulski, Begegnung, Diptychon, je 100x80 cm, Mischtechnik auf Leinwand, © Heike Cybulski

Heike Cybulski, Begegnung, Diptychon, je 100×80 cm, Mischtechnik auf Leinwand, © by Heike Cybulski

Wie in der 2. Frage schon beschrieben arbeite ich in beiden Kunstformen intuitiv, lass mich von Musik und meiner eigenen Stimmung tragen. Der Malvorgang ist ein Suchen. Oft ist dies ein langer und manchmal auch ein schmerzlicher Prozess bis zur Bildfindung, auch wenn „spontaner Malakt“ für viele Betrachter nach „schnell schnell“ klingt. Häufig überwerfe ich entstandene Bildkompositionen wieder, weil es für mich noch nicht stimmt. Dies ist schwer zu beschreiben, ich merke einfach nur: das ist es, oder das ist es nicht. Durch dieses Verwerfen entstehen wiederum mehrere Farbschichten, die neue Farbflächen lebendig und spannend wirken lassen, auf denen ich das Bild dann weiter aufbauen kann.

Bei meiner Bildhauerei ist die „Bildsuche“ etwas einfacher. Die unterschiedlichen Formen der Stahlreste bieten mir viele Kombinationsmöglichkeiten. Eine neue Plastik beginnt mit der Suche nach dem Kopf/dem Gesicht. Ich halte einige dieser Stahlelemente so zusammen, bis diese die Ahnung eines Antlitzes ergeben, und wenn es mich anschaut, dann ist es das richtige Gesicht für die neue Plastik. Dann erst erfolgt der Aufbau der Stahlplastik von unten nach oben. Ich suche oft die geschwungene Form, daraus entstehen Licht durchlassende Freiräume, die der Schwere des Materials entgegen wirken. Ich mag einfache Formen, reduziert auf das Wesentliche, ohne verschnörkelte Verspieltheit. Bewusst überlasse ich der Plastik die Spuren ihrer Entstehung.

 

5. Wie drückt sich Realität und Intuition in Ihrer Arbeit aus?

Mit der Frage kann ich nicht wirklich etwas anfangen? Ich male keine Realitäten ab, ich spiegel intuitiv Empfindungen und Stimmungen wider. OK, diese stammen ja mitunter aus Realitäten. Eigentlich ist alles ein Umwandeln und Sichtbarmachen, ein Fühlen und Wahrnehmen, ein Suchen und Finden, im realen Leben und im schöpferischen Prozess auf der Leinwand bei der Entstehung eines Bildes oder einer Stahlplastik.

 

6. Beschreiben Sie Ihre Arbeitsmethode?

Die Schaffung einer -für mich notwendigen- Atmosphäre beim Malen nenne ich -bildlich gesprochen- manchmal auch „mein gutes Licht“. Aus dieser Stimmung heraus wähle ich die Farbe mit der ich anfangen möchte. Die leere Leinwand liegt auf dem Boden, für mich der beste Platz um sie von allen Seiten „zu begehen“. Das Bildmotiv entsteht während des Malaktes, ich habe gelernt meiner Intuition zu vertrauen. Ich erkenne im Prozess Formen oder erahne bereits das Gesamtbild, welches ich teilweise durch grafische Elemente -gern die abstrahierte menschliche Figur oder einfache Linien- akzentuiere. Ich durchbreche damit flächige Formen und gebe dem Bild somit eine gewisse Tiefe und Räumlichkeit.

An einer Plastik arbeite ich sehr intensiv und lange, sie wächst Stück für Stück mit dem Arbeitsprozess. Ich arrangiere die Stahlelemente miteinander, die Plastik baue ich von unten nach oben auf. Die Einzelteile sortiere ich vorher nach Materialstärke, Form und Beschaffenheit. Verschiedene Stücke passe ich mit dem Winkelschleifer an und füge sie dann im Schweißprozess zu einer neuen Stahlplastik zusammen.

 

7. Wo sehen Sie die Herausforderung Ihrer Kunst für den Betrachter?

Meine künstlerische Arbeit basiert auf intuitiver Entstehung und ist eine abstrakte Widerspieglung meiner Gedanken, Empfindungen, Erinnerungen etc., es ist ein Umwandeln und Sichtbarmachen.

Die Wirkung des Kunstwerkes auf den Betrachter – sei es bei einer Plastik oder einem Bild – ist von jedem Betrachter abhängig, wie empfänglich er dafür ist und inwieweit er sich auf das Kunstwerk einlassen möchte. Es ist für mich immer wieder erkennbar, dass meine Bilder auf viele der Betrachter positiv wirken, sie strahlen eine angenehme Atmosphäre auf sie aus. Das stimmt mich zufrieden, denn „mein gutes Licht“ der Ausgangsposition leuchtet im fertigen Bild.

Die Kombination meiner beiden Kunstformen in einer Ausstellung harmoniert miteinander, trotz der enormen und präsenten Eigenständigkeit jedes einzelnen Werkes, nehmen sich Bild und Stahlplastik nicht gegenseitig die Luft, sie ergänzen sich.

 

8. Wann ist für Sie die Arbeit an Ihrem Kunstwerk abgeschlossen oder wirkungsvoll?

Ich merke, wenn ein Bild oder eine Plastik fertig ist. Ich schau das Kunstwerk an, immer wieder. Es gibt nichts mehr daran zu verbessern, es ist harmonisch in seiner Gesamtheit, es ist fertig, ich empfinde eine innere Ruhe und Zufriedenheit. Bei meinen Plastiken empfinde ich zusätzlich noch eine gewisse Anziehungskraft. Ich erkenne die Ausstrahlung und Wirkung, die ich beabsichtigt habe darzustellen, das Aparte, den Charme oder den Stolz, und ich verliebe mich in jede neue Stahlplastik.

 

9. Beschreiben Sie Ihr künstlerisches Anliegen?

Meine Bilder lassen viel kreativen Freiraum in der Interpretation. Für mich ist es deshalb immer wieder spannend zu erfahren, was der Betrachter in meinen Bildern sieht, was er erkennt. Ich freue mich, wenn sich der Betrachter auf das Bild einlässt, es auf sich wirken lässt und seine Auslegungen findet, – wenn quasi seine „eigene Reise“ beginnt. Ich möchte versuchen Neugier zu wecken und Stimmungen zu vermitteln.

 

Heike Cybulski, Stella, 2009, Stahl, Höhe: 160 cm, © by Heike Cybulski

Heike Cybulski, Stella, 2009, Stahl, Höhe: 160 cm, © by Heike Cybulski

Bei meinen Stahlplastiken sind figurative Bezüge erkennbar, die Darstellungsweise ist abstrakt-figurativ. Ich erstelle meistens weibliche Plastiken, dies aber nicht nach anatomischen Vorbild, es sind eher die Eigenschaften die ich darstellen möchte, wie: Schönheit, Charme, Reife, Eleganz, etc.

Es ist für mich schön zu beobachten, dass sich durch meine Kunst Leute angesprochen fühlen, die sich in einer persönlichen Weise mit einem Werk verbunden fühlen weil es sie vielleicht emotional trifft, in welcher Form auch immer. Ich kann durch meine Kunst „berühren“, das ist etwas Wunderbares.

 

10. Was bedeutet für Sie der Ausdruck: „Ein Leben mit Kunst“?

Verzicht, Armut und warten, warten, warten… ;o) kleiner spontaner Scherz am Rande…

Den Wunsch nach persönlichem Ausdruck, die Freude über das Finden der Bildelemente zu einem harmonischen Ganzen, der intuitive schöpferische Prozess, diese wunderbare, kreative, sinnvolle Arbeit, die Begeisterung über Wirkung und Ausstrahlung eines fertigen Kunstwerks, die Resonanz durch die Betrachter, die Reflexion. All dies macht mich glücklich und treibt mich weiter an.

 

11. Wo kann ein Interessent Ihre Arbeit einsehen?

Nähere Informationen zu meinen Kunstwerken, Meinungen und Pressestimmen, sowie Termine aktueller Ausstellungen finden Sie auf meiner Webseite:

www.heike-cybulski.de

Gern können Sie mich auch in meinem Atelier in Borkwalde besuchen (nach Terminabsprache).

 

 

 

 

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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