Der Blog über Kunst und Inspiration

Hanny Barth. Das Interview

Hanny Barth. Künstlerin

Narrative Kunst

 
 

Das Interview

 

1. Gibt oder gab es eine Person in Ihrem Leben, die Ihr Denken und Ihre Einstellung gegenüber Ihrer Arbeit entscheidend beeinflusst oder geprägt hat?

 

Hanny Barth, Künstlerfoto, Narrative Kunst, (c) Hanny Barth

Hanny Barth, Künstlerfoto, Narrative Kunst, (c) Hanny Barth

Nach über 20-jähriger Schaffenspause, habe ich im Dezember 2012, auf Anraten meines damaligen Lebensgefährten, einen 2-tägigen Acrylmalkurs in Lübeck besucht. Dies vor dem Hintergrund, dass ich nach dem Tod meines Vaters im Juli 2012 und wegen meiner beruflichen, sehr belastenden Tätigkeit im Bereich Tourismusmanagement , dringend einen Ausgleich benötigte.

Bereits am ersten Kurstag bemerkte ich, wie viel Freude und innere Ruhe ich durch diese Form der kreativen Beschäftigung fand. Das Ergebnis meiner ersten Arbeit fand sogleich so viel Zuspruch, dass mein Partner mich dazu ermunterte, auf diesem Gebiet unbedingt weiter zu arbeiten. Er unterstützt mich und meine Arbeit bis heute, in dem er meine Homepage stets aktualisiert und meine Vorstellungen der Präsentation zeitnah umsetzt!

Den Sprung raus aus der zeit- sowie nervenintensiven bisherigen Berufstätigkeit hin in die Selbstständigkeit als freischaffende Künstlerin und Kunsttherapeutin wagte ich jedoch erst im Juni 2015.

Durch den plötzlichen Tod meiner jüngsten Tochter Rebecca im April 2014 fand ich die Stille und meinen Trauerraum im Schaffensprozess, der mich schlussendlich wieder aufgerichtet hat und mir unfassbar viel positive Energie schenkte, um Glück und Lebensfreude neu zu entdecken. Veränderungen wurden unmissverständlich klar, so dass ich nicht nur Mut und Kraft fand, sie anzugehen, sondern sie als meine wegweisende Begleiter in Liebe annehmen konnte.

 

2. Wie bilden sich Ideen für Ihre Arbeit? Was inspiriert Sie?

 
Der Ursprung meiner Werke liegt in der Wahrnehmung eigenen Erlebens, fokussiert auf einhergehende Gedanken und Emotionen.

Meine überwiegend narrativen Bilder erzählen Geschichten vom großen und kleinen Leben. Mit Farben, Formen und Strukturen versuche ich den Betrachter dazu einzuladen, sich Lebenssituationen und Lebensfragen zu stellen, die teilweise tief in die eigene Mitte vordringen.

Die Metamorphose ist für mich dabei die Basis für Assoziation und kreative Prozesse. Zum einen halte ich die Momente dieses Veränderungsprozesses malerisch fest und bemühe mich die jeweilige Stimmung mit ihren typischen Merkmalen einzufangen. Zum anderen führe ich diese künstlerisch weiter, ohne mich auf einen bestimmten Stil festlegen zu wollen.

Meine persönlichen Wandlungen und die damit eigenen Wahrnehmungen erfolgen im Raum meiner Zeit der zurückliegenden letzten 4 Jahren, denn nach mehr als einer 20-jährigen Schaffenspause, habe ich da meine Leidenschaft für die Malerei neu entdeckt!

Leben und Tod sind dabei in diesen Erlebensprozess mit eingebunden. Somit werden alle eingesetzten Techniken, Formen und Farben zu einer malerischen Geschichte verdichtet, die der Betrachter assoziativ fortsetzen kann. Dabei liebe ich die Freiheit und Experimentierfreude im Tun, bin aber auch gleichermaßen immer neu fasziniert über die schier unerschöpflichen Möglichkeiten der Kreativität. Teilweise basieren die Bilder auf eigenen lyrischen Texten oder bilden die Geburt für neue Wortbilder.

Seit einem knappen Jahr lebe ich in der Selbstständigkeit als freischaffende Künstlerin und Kunsttherapeutin, arbeite in einem Gemeinschaftsatelier in Lübeck und führe dort regelmäßig Workshops in der Acrylmalerie sowie Intuitiven Malerei für Anfänger und Fortgeschrittene durch.

Hätte mich vor dieser Zeit jemand gefragt, was mein Motor für die Malerei sei, so hätte ich geantwortet: die Sehnsucht!

Heute weiß ich aber, dass die Antwort lautet: tief empfundenes Glück!!!!

 

3. Welches Material bevorzugen Sie und warum?

 
Ich arbeite vornehmlich mit Acrylfarben. Dies auf Grund ihrer unglaublichen Vielseitigkeit und Leuchtkraft. Zudem mische ich mir aus fast jedem nur denkbaren Material Strukturmaterialien an, d. h. von Sand, Anthrazitkohle, Marmormehl, Kaffeepulver, Fugenkleber, Gips etc..

Collagematerialien von Papieren, Stoffen, Holz und Draht etc. finden ebenfalls in ihrer Vielseitigkeit unbegrenzte Anwendung in meinen Bildern.

Die dadurch entstehenden, spannenden Strukturen und Formen faszinieren mich gerade auf Grund ihrer Vielfältigkeit im Ausdruck.

 

4. Wie lassen Sie sich auf eine neue Arbeit ein?

 
Wie bereits unter Punkt 2 beschrieben, arbeite ich grundsätzlich intuitiv.

D. h. ich habe selten einen konkreten Bildplan vor dem inneren Auge. Die Bilder entstehen aus dem jeweiligen Moment heraus und geben mir den Raum, den ich benötige, um Vieles zu erkennen und zu verstehen. Dabei drängt es mich fast jeden Tag in mein Atelier, um hier immer zuerst an die Auswahl meiner Farben zu gehen. Je nach Gemütszustand lasse ich dabei den Farben den Vorrang.

Hierbei ist es mir wichtig….und anders wäre das Malen für mich nicht denkbar…das Bild die Regie zu überlassen und weniger meinem Kopf.

Farbverläufe sowie Flächen bestimmen den weiteren Aufbau des Bildes. Nicht nur, dass ich dadurch in eine tiefe innere Entspannung falle, sondern gleichfalls immer wieder aufs Neue erstaunt bin, wie mein Unterbewusstsein Gedanken, Emotionen und Prozesse bildnerisch zum Ausdruck bringt.

Mit anderen Worten: mein innerer Dialog spiegelt sich auf der Leinwand wieder.

 

5. Wie drückt sich Realität und Intuition in Ihrer Arbeit aus?

 
Die Intuition geht jedem meiner Bilder voraus.

Die Realität ist am Ende des Bildes für mich klar erkennbar. Die Realität liegt in meiner ganz persönlichen Intention des Bildes.

 

6. Beschreiben Sie Ihre Arbeitsmethode?

Siehe oben!
 

Hanny Barth, Grenzenlos, aus der Serie „Möwe Jonathan“, Acryl auf Leinwand, 80 x 60 cm, (c) Hanny Barth

Hanny Barth, Grenzenlos, aus der Serie „Möwe Jonathan“, Acryl auf Leinwand, 80 x 60 cm, (c) Hanny Barth

7. Wo sehen Sie die Herausforderung Ihrer Kunst für den Betrachter?

Ich male seit 4 1/2 Jahren, nach über 20-jähriger Schaffenspause, wieder. Seither durfte ich in fast 20 Ausstellungen meine Bilder öffentlich zeigen.

Ich erinnere mich an eine mir sehr wichtige, einer der ersten Ausstellung in der Alten Vogtei in Travemünde. Eine Künstlerin fragte mich damals, wie ich damit umgehe, mich und meine Gefühle, Gedanken, die oftmals sehr persönlich sind, öffentlich zu zeigen…auszusprechen?

Nach dem spannenden Gespräch wurde mir bewusst, dass ich in der Tat unbedarft etwas offen lege, das nicht nur mich tief in meinem Inneren bewegt, sondern mich als Mensch offen legt.

Erst danach beobachtete ich die Blicke und das Interesse der Ausstellungsbesucher genauer. Ich kam dabei leicht in viele, ebenso persönliche Gespräche, die durch das eine oder andere Bild ihren Ursprung fanden. Ich erkannte, dass die Bildsprache oftmals tief in das Eigenleben der Betrachter vordrang, ja vielleicht sogar Seelenmomente aufdecken konnte, die Parallelen aufzeigten.

Narrative Bilder als Auslöser für das Aufspüren eigenen Erlebens und eigener Empfindungen, die oftmals erst dann in das eigene Bewusstsein der Betrachter treten und dann auch ausgesprochen werden können. Mein Bild erhält dadurch erst den wahren Charakter. Meine eigene Bildaussage steht dabei außen vor! Dagegen dominiert die persönliche Wahrnehmung und Interpretation des Betrachters, womit ein Dialog mit sich selbst, aber auch miteinander erst möglich wird.

 

8. Wann ist für Sie die Arbeit an Ihrem Kunstwerk abgeschlossen oder wirkungsvoll?

 
Ich arbeite niemals an mehreren Bildern gleichzeitig, sondern konzentriere mich bis zur Vollendung grundsätzlich auf das momentane Bild.

Wie anders wäre es mir möglich, da ich mich grundsätzlich in der eigenen Aufdeckung von Prozessen und Wahrnehmung befinde? Erst wenn ich klar den Impuls sowie den daraus resultierenden Moment, Gedanken, das Gefühl….meine Aussage und die persönliche Erkenntnis sehe, kann ich das Bild zum Abschluss bringen.

Somit habe ich niemals ein unfertiges Bild in der Ecke stehen und ebenso wenig würde ich das eine oder andere Bild übermalen wollen oder können.

Jedes Bild entspricht daher einer Seite in meinem Tagebuch der Entdeckung, Wahrnehmung und eigenen Wahrheit.

 

9. Beschreiben Sie Ihr künstlerisches Anliegen?

 
Ich male dabei vornehmlich für mich….niemals vorrangig für den Betrachter!

Wenn ein interessierter Kunde einen Bildauftrag für mich hat, so erlaube ich mir, ihn um sein Vertrauen zu bitten, ein persönliches Bild malen zu wollen. Wie geht das?

Ein Beispiel:

Letztes Jahr besuchte ein holländisches Ehepaar in Belgien lebend, meine Ausstellung in Essen.

Ihnen hat meine Vielseitigkeit und Bildsprache gefallen, so dass sie mich fragten, ob ich mir vorstellen könnte, ein 2 x 2 m großes Bild für sie zu malen. Sie wollten etwas abstrakt Gegenständliches haben, wobei die Farben Rot, Magenta und Gelb einbezogen sein sollten.

Ich fragte sie dann, ob es möglich sei, dass ich ihr Refugium einmal besuchen kommen dürfte, damit ich mir einen persönlichen Eindruck über das Haus, die entsprechende Wand, die Umgebung aber auch von ihnen verschaffen könnte.

Wenige Wochen später besuchte ich sie und durfte eben oben Beschriebenes im eigenen Erleben einfangen. Ich bestellte daraufhin die maßgefertigte Leinwand und arbeitete kurz darauf 3 Wochen an ihrem Bild….“ADVENTURICA“, im Vertrauen darauf, dass ich den Kern ihrer Bedürfnisse und Erwartung erfasst habe.

Ich ließ die Kunden, die ich mittlerweile zu meinen Herzensfreunden zählen darf, in Form einer Fotodokumention meiner Bildentwicklung teilhaben. Es kam mir vor, als würden wir gemeinsam auf die Geburt eines Kindes warten und die entsprechenden Phasen des Wachstums mit Neugier begleiten.

Der Tag der Übergabe kam…es war in der Tat ein Festtag…für alle!

Als das Bild schlussendlich in Gemeinschaftsarbeit an seinem Bestimmungsort hing, sind wir abgetaucht in die Welt von ADVENTURICA. Ich schrieb zu dem Bild einen Text auf und habe damit die Gefühlsebene der Kunden exakt auf den Punkt gebracht.

Für mich war dieser Auftrag die Bestätigung dafür, dass ich nur dann malen kann, wenn ich
a.) mich frei entwickeln darf
b.) mir vertraut wird, dass das, was ich male, den Kern der Erwartung des Kunden trifft.

Dabei wurde mir ebenso bewusst, dass der Kunde oftmals selbst nicht genau weiß, was er tatsächlich an der Wand hängen haben möchte. Er verfügt meist nur über einen intuitiven Impuls und  eine Vorstellung, die sich oftmals dann als unrichtig herausstellt, wenn das Bild an seinem Bestimmungsort hängt.

Daher biete ich jedem interessierten Käufer meiner Bilder an, dass ich persönlich das Bild aufhänge oder dass der Kauf erst nach einer Probehängung abgeschlossen werden darf, sofern die externe Vorstellung mit der Realität übereinstimmt.

Der dadurch nochmals sehr persönliche Kontakt zu meinen Kunden geht dann oftmals weit über ein „Geschäft“ hinaus. Der Dialog, ausgelöst durch das Bild, schenkt mir die Chance, mich auf vielfältige Weise auszutauschen, um dann mit neuen Impulsen an ein neues Bild zu gehen.

 

ADVENTURICA und seine Geschichte
Hanny Barth, Adventurica , Acryl auf Leinwand, 200 x 200 cm, (c) Hanny Barth

Hanny Barth, Adventurica , Acryl auf Leinwand, 200 x 200 cm, (c) Hanny Barth

Wer an Zufälle glaubt, der weiß es nicht besser!
Wer an Begegnungen im richtigen Augenblick glaubt, hält die Chance für ein wundervolles Päckchen mit ungeahnten Möglichkeiten in seinen Händen.
Dies kann jener kostbare Moment sein, der alles bisher Dagewesene auf den Prüfstein eigenen Erlebens stellt. Ein Moment, der Wünsche und Sehnsüchte weckt, um sie in kleine Kugeln behutsam legen zu können, um sie dann auf die Reise ihrer Bestimmung zu entlassen. Der Ort, an dem sie sich öffnen wird, heißt Adventurica.
Es ist jener Ort, wo einst geglaubte Träume in Erfüllung gehen.
Es ist jener Ort, von der Glückseligkeit und unbedarfte Kindheit erzählen.
Das Leben offenbart sich in einem wundervollen Licht und seine willkürlich und in Freiheit gewachsenen Wurzeln, eingebettet in die Energie und die Kraft bunter Farben, halten den ganz besonderen Zauber zu einer festen Einheit zusammen.
An diesem Ort angekommen, kann sich kein irdisches Wesen seiner märchenhaften Aura entziehen. Der klare Blick durch die Weite der Fenster nach draußen lässt ebenso wie der Blick von außen in das Refugium alle festen Konturen aufweichen. Die Ruhe des Ortes lassen der Liebe und dem gesprochenen Wort den Raum der Unendlichkeit, in dem Wahrheit und tiefer Frieden die Samen des Glücks in alle Welt hinaustragen.
Wer glaubt, man könne die Welt nicht verbessern, der hat Adventurica noch nicht gefunden.
Drum lege ich diesen Wunsch für jeden Suchenden behutsam in eine kleine Wunschkugel, um sie auf die Reise dorthin zu schicken, getragen von den Winden über die Wolken des Himmels, hinweg über alle Weltmeere, die höchsten Berge und tiefsten Täler dieser Erde, weil ich weiß, dass sie sich eines Tages öffnen wird, um neue Glückseligkeit, Liebe und Frieden in die Herzen der Menschen zu legen.
Hanny Barth

 

10. Was bedeutet für Sie der Ausdruck: „Ein Leben mit Kunst“?

 
Ein Leben mit der Kunst ist mein Leben!

Meine bildhaft dargestellte Wahrnehmung ermöglicht den Austausch mit mir selbst, aber auch mit anderen Menschen. Ich bekomme Einblicke in das Leben geschenkt, die im Raum meiner Zeit passieren und mich zu mir selbst finden lassen. Kunst bedeutet für mich nicht nur Darstellung eigener Wahrnehmung, sondern auch Heilung und Bewusstwerdung

 

11. Wo kann ein Interessent Ihre Arbeit einsehen?

 
Man findet meine Bilder, teilweise lyrischen Texte, Interviews und Filmbeiträge etc.pp. auf

www.nordgalerie.com

YouTube: Hanny Barth
Facebook: Hanny Barth und Nordgalerie

bzw. auf Ausstellungen.
In diesem Jahr zu sehen:

  1.  in meinem Atelier, Posener Straße 22, Lübeck
  2.  Dauerausstellung in Essen/Dellwig, Heinz-Bäcker-Str. 24, BHJ-Brennstoffhandel
  3.  Dauerausstellung in Travemünde, Physiopraxis an der Sanaklinik
  4.   28.07. – 27.10.2016 ,Bad Schwartau im Gesundheitszentrum der Asklepios Klinik
  5.   02.08. – 28.10.2016, Oppenheim (RLP), Verbandsgemeinde Rhein-Selz anläßlich der 200-Jahrfeier von Rheinhessen
  6.   30.09. – 03.10.2016, Berlin, Kunstmarkt im Pankower Ballsaal
  7.  Herbst 2016, Essen – Sonderausstellung (in Planung)
  8.  Sommer 2016, Florenz und Mailand – derzeit in Planung
  9.  November 2016, Hamburg…in Planung

 

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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