Der Blog über Kunst und Inspiration

Ein Bild ist wie ein offenes Fenster

 

Ein Bild ist wie ein offenes Fenster

 

 

Eine Metapher über die Malerei

Martinus Rørbye (1803–1848), Englisch: View from the Artist's Window, um 1825, Öl auf Leinwand, 38 x 29,8 cm, [Public domain], via Wikimedia Commons

Martinus Rørbye (1803–1848), Englisch: View from the Artist’s Window, um 1825, Öl auf Leinwand, 38 x 29,8 cm, [Public domain], via Wikimedia Commons

 

 

Wie das Fenster einen Ausschnitt der Welt zeigt, so lädt ein Gemälde den Betrachter ein, die Aufmerksamkeit auf einen Teil des Ganzen zu richten und vielleicht neue Einblicke in eine andere Welt zu bekommen. Das ist vielleicht eine zeitgenössische Auslegung des Vergleichs von Leon Battista Alberti, der das Bild als offenes Fenster zur Welt bezeichnete. Als Bildmotiv setzen sich Künstler immer wieder mit diesem Thema auseinander. Neben dem geschlossenen Fenster, den Fensterspiegelungen weist die Darstellung des offenen Fenster spannende Varianten in der Bildkomposition auf.

 

Jakob Alt (1789–1872), Blick aus dem Atelier des Künstlers in der Alservorstadt gegen Dornbach, 1836, Aquarell, 52,1 x 42,1 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons

Jakob Alt (1789–1872), Blick aus dem Atelier des Künstlers in der Alservorstadt gegen Dornbach, 1836, Aquarell, 52,1 x 42,1 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons

Quelle der Inspiration

Robert Delaunay (1885–1941), Le Poète Philippe Soupault, 1922, Öl auf Leinwand, [Public domain oder CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Robert Delaunay (1885–1941), Le Poète Philippe Soupault, 1922, Öl auf Leinwand, [Public domain oder CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons


Das offene Fenster kann die Verbindung zur Außenwelt darstellen. Die Blickrichtung geht von innen nach außen, auch durchaus symbolisch gesehen. Gezeigt wird  das Fenster mit Rahmen, ohne Rahmen mit Einrichtungsgegenständen oder ohne. Um nur einige Bildthemen zu nennen, wird der Blick gelenkt auf das Umfeld des Künstlers, die Sichtweise auf die Welt oder die eigenen Hindernisse. Weitblick, Einblick, Ausblick. Diese menschlichen Themen begründen vielleicht auch die Faszination dieser Bilder. Aber auch die Beantwortung der Fragen, wie war der Blick von seiner Wohnung, seinem Atelier und wie sah sie aus, die Quelle der Inspiration.

 

Umberto Boccioni (1882–1916), La strada entra nella casa (dt. Die Straße dringt in das Haus), 1911, Öl auf Leinwand, 100 × 100,6 cm, [Public domain) via Wikimedia Commons

Umberto Boccioni (1882–1916), La strada entra nella casa (dt. Die Straße dringt in das Haus), 1911, Öl auf Leinwand, 100 × 100,6 cm, [Public domain) via Wikimedia Commons

Innen- und Außenwelt

Vincent van Gogh (1853–1890), Deutsch: Weber vor offenem Fenster mit Blick auf den Turm von Nuenen, Nuenen, July 1884, Öl auf Leinwand, Maße 67,7 x 93,2 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons

Vincent van Gogh (1853–1890), Deutsch: Weber vor offenem Fenster mit Blick auf den Turm von Nuenen, Nuenen, July 1884, Öl auf Leinwand, Maße 67,7 x 93,2 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons


Der Erfindungsreichtum oder das Spiel mit dem Bildmotiv geht auch so weit, dass der Blick aus dem offenen Fenster wie ein Spiegelbild der eigenen Situation gesehen werden kann. Manchmal unterstützt das Motiv eine weitere Bildaussage wie z.B. den Wendepunkt des Künstlers, die Ankündigung für einen Wechsel der Stilrichtung. Das Öffnen der künstlerischen Seele zu einer neuen Welt.

 

Mach doch mal das Fenster auf

 

Wilhelm Trübner (1851–1917), Blick aus dem Heidelberger Schloss, 1873, Öl auf Leinwand, 54 × 44 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons

Wilhelm Trübner (1851–1917), Blick aus dem Heidelberger Schloss, 1873, Öl auf Leinwand, 54 × 44 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons

 

 

Und diese Öffnung zur Außenwelt gibt manchmal die Inspiration für neue Entwicklungsmöglichkeiten in der Malerei. Aber nicht nur dort. Wie Tivi mir gegenüber schon so einige Male sagt: „Mach doch mal das Fenster auf! Entdecken wir doch einfach mal die Welt zusammen. Dann kommen die Ideen von allein und wir gestalten was Neues.“

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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