Der Blog über Kunst und Inspiration

Die Analogie des Moments

Die Analogie des Moments

Oder

Die Suche nach mehr

 
 

Barbara Billeiter, Madame Esoterica, 2015, Acryl auf Leinenmalkarton, 70 x 50 cm, ©Barbara Billeiter

Barbara Billeiter, Madame Esoterica, 2015, Acryl auf Leinenmalkarton, 70 x 50 cm, ©Barbara Billeiter

Die Bildkomposition zeigt einen kleinen Raum mit einer Wahrsagerin, die hinter einem Tisch sitzt. Der erste Blick fällt auf die großen, grünen Augen, die den Betrachter vertrauensvoll fesseln, dann ein Schönheitsfleck, der auf das angenehme, freundliche Lächeln aufmerksam macht, die großen Ohren und die nackten Füße sind ebenfalls dargestellt. Viele kleine und größere Attribute lassen den Beruf erkennen. Der Turban und der Ohrring mit dem fallenden Mond. Die Kristallkugel, die vor der Wahrsagerin auf dem Tisch steht und die sie mit ihren dunklen, krallengleichen Fingernägeln umschließt. Das Pendel, das auf dem Tisch neben der Sanduhr ruht. Die gelben Sterne auf dem sphärenhaften Blau der Vorhänge, das dritte Auge oben am rechten Bildrand, die Bienen, die Tarotkarte in der Hand des Hasens am rechten unteren Bildrand sitzend, das Telefon am linken unteren Bildrand,  dessen Hörer hinaufreicht zu einer Maus, die auf dem Tisch sitzt, die Würfel des Schicksals, links vom Tisch. Und überall finden sich Geldmünzen, teils als Regen neben den Sternenvorhängen, teils auf dem Tisch oder auf dem Boden, und Geldscheine, die zwei der drei Bienen halten. Das gleichwertige Nebeneinander verschiedener Hilfsmittel einer Wahrsagerin, die unterschiedlichen Positionen verschiedener Richtungen, die Gleichzeitigkeit von Gegensätzen zeigt eine Übereinstimmung von Gegenständen hinsichtlich des Gebrauchs. Die Analogie des Moments.
 
Der Blick des Betrachters sucht immer wieder den Blick der dargestellten Person. Die Ruhe, die nur hier zu finden ist, gleicht fast einer Oase, der man sich gern anvertraut.  Zahlreiche Gegenstände, die immer wieder neue Erinnerungen auslösen, sind im Bild zu finden. Das Krafttier Maus, das dich aufruft, zu untersuchen, was an dir nagt? Oder der Hase, der auf mehr Intuition hinweist? Dann die Tarotkarte, die Mäßigkeit, ein Hinweis auf ein maßvolles Leben ohne Forderungen? Das viele Geld. Das Einsammeln der Bienen von himmlischen Gaben für den Menschen, doch hier statt Weissagung oder Wegweisung halten sie Geld. Verwirrung. Und dann die Erkenntnis und ein Lächeln: Es ist genau dieses Suchen nach Antworten. Dieser stete Antrieb des Menschen mehr wissen zu wollen, über sein Schicksal, über die Welt, über das Leben, über metaphysische Phänomene, über eine Klarheit des Unbewussten. Und plötzlich bewegt man sich wie in einem Märchen, wie im Sternentaler, wie Alice im Wunderland, wie ein Wahrheitssuchender in der Konsumgesellschaft. Immer auf der Suche. Die Suche nach mehr.
 
Danke Barbara Billeiter.

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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