Der Blog über Kunst und Inspiration

Der unbewusste Raum

Der unbewusste Raum

oder

Die Zusammenhänge des Seins

 

Renate Linnemeier, Sternenstaub, 2009, Acryl und Collage auf Nessel, 80 x 120 cm (c) Renate Linnemeier

Renate Linnemeier, Sternenstaub, 2009, Acryl und Collage auf Nessel, 80 x 120 cm (c) Renate Linnemeier

Die Bildkomposition zeigt einen Platz, oben begrenzt von einem Gebäude und dem Horizont, unten mit drei reduzierten Vierecken, die sich von links nach rechts zum Horizont aufschließen. Der linke Bildrand bleibt fast wie ein Einstieg ins Bild offen. Fünf menschliche Figuren sind im Bild positioniert. Eine Zweiergruppe und eine etwas abseits stehende Figur vor dem oberen Gebäude, eine sitzende Figur in einer lebhaften Pose auf dem mittleren Viereck und eine abgewandte Figur auf dem unteren Viereck stehend und an dem mittleren Viereck locker anlehnend. Die Figuren haben keine Physiognomie. Auf dem mittleren Viereck befindet sich ein gezeichnetes menschliches Gesicht mit geschlossenen Augen, horizontal ausgerichtet und dem Betrachter zugewandt. Die Farben sind ein helles Grauweiß, ein strahlendes, warmes Ockergelb, ein dunkles Grau, das Gesicht in gebranntem Siena. Aus den unterschiedlichen, übereinander aufgetragenen Farbschichten entstehen weiche Übergänge in den Farbräumen wie auch kontrastierende Hell-dunkel-Effekte. Die Bildgestaltung ist sehr reduziert, wird jedoch durch die Farbeffekte und den Materialmix belebt. Es sind die changierenden Farbschichten, wie z. B. am rechten Horizont, oder die rostige Metallplatte als unterstes Viereck. Vier Figuren sind in einem dunklen Grau gehalten, die sitzende Figur nimmt das strahlende Ockergelb vom Horizont und vom unteren linken Bildrand auf. Am oberen, rechten Viereck zeigt sich ebenfalls ein Aufgreifen der Sienatöne in einem kleinen Farbfeld, fast wie eine angehängte Skala. Die Figuren verlieren sich im Raum, scheinen ohne Zusammenhang. Und dann die Verbindung, das schlafende Gesicht. Es ist der unbewusste Raum.

Im indifferenten Bildraum brilliert die Wärme und Stärke des Ockergelbs. Dann wandert der Blick über die Anordnung der Formen, nimmt die Farbübergänge war wie auch die Strukturen und bleibt an diesem schlafenden Gesicht hängen. Der vollkommen entspannte Ausdruck in wenigen, kräftigen Linien übermittelt. Dieses Gesicht lässt den Betrachter an eine Traumszene denken, an auflebende Erlebnisse, Gefühle, Wünsche, Gedanken und Ur-Erinnerungen in neue, scheinbar unlogische Zusammenhänge gestellt. Das Unbewusste, Tief-Gelagerte dringt an die Oberfläche des Bewussten. Es ist wie das Erhellen der Persönlichkeit, die Verbindung zu einer neuen Kraft. Die Zusammenhänge des Seins.

 

„…Wir alle sind aus Sternenstaub
In unseren Augen warmer Glanz
Wir sind noch immer nicht zerbrochen
Wir sind ganz…..“

(aus: Ich + Ich, Vom selben Stern)
 

Danke Renate Linnemeier

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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