Der Blog über Kunst und Inspiration

Das Lächeln

Das Lächeln

 
 
 

William Hogarth (1697–1764), David Garrick with His Wife, (dt. Porträt des Schauspielers David Garrik und seiner Frau), 1757, Öl auf Leinwand, 132,7 × 104 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons

William Hogarth (1697–1764), David Garrick with His Wife, (dt. Porträt des Schauspielers David Garrik und seiner Frau), 1757, Öl auf Leinwand, 132,7 × 104 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons

 

Das innere Lächeln

Es gibt eine Meditationsübung, die ich immer wieder gern durchführe. Sie nennt sich das innere Lächeln. Diese Übung stärkt die Achtsamkeit und die Bewusstheit, baut Stress ab, öffnet das Herz und manchmal dringt das Lächeln dann von innen nach außen. Da sitze ich nun mit geschlossenen Augen, öffne gerade nach der Übung wieder meine Augen, und da steht Tivi vor mir und lächelt mich an: „Da bin ich!“ – „Hallo. Was machst du hier?“ – „Du hast mich doch gerufen! Immer wenn du so lächelst, dann unternehmen wir doch was gemeinsam.“ – „Na ja, ich habe doch gerade meine Übung gemacht….“ – „Ja genau. Du bist dann immer so voller Ideen. Deswegen bin ich doch da!“ – „Du meinst, wenn ich lächle, dann rufe ich dich?“ – „Jetzt mach schon!“ Und ungeduldig hüpft Tivi von einem Bein auf das andere und strahlt. – „Gut, dann machen wir was über das Lächeln.“

Rokokohaus, Herrenstraße 24, Ravensburg (Umgestaltung eines gotischen Hauses durch den Stadtammann Leonhard von Beck, 1757) Fassadendetail, Photo Mai 2009 (c) Andreas Praefcke (Eigenes Werk (own photograph)) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Rokokohaus, Herrenstraße 24, Ravensburg (Umgestaltung eines gotischen Hauses durch den Stadtammann Leonhard von Beck, 1757) Fassadendetail, Photo Mai 2009 (c) Andreas Praefcke (Eigenes Werk (own photograph)) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Leonardo da Vinci (1452–1519), Mona Lisa (Französisch: La Joconde), zwischen 1503 und 1506, Öl auf Pappelholz, [Public domain] via Wikimedia Commons

Leonardo da Vinci (1452–1519), Mona Lisa (Französisch: La Joconde), zwischen 1503 und 1506, Öl auf Pappelholz, [Public domain] via Wikimedia Commons

Das berühmteste Lächeln in der Kunst

Gibt es eigentlich ein anderes Kunstwerk, das so häufig mit dem Lächeln in Verbindung gebracht wird, wie die „Mona Lisa“ (La Joconde) von Leonardo da Vinci? Wohl kaum. An diesem Bild arbeiten sich so viele Fachleute ab. Ist es ein Lächeln oder eher nicht? Hängt das Empfinden eines Lächelns der Mona Lisa von der Betrachtungszeit ab? Wie war die Technik und welche Rolle spielt die Sfumato-Malweise von Leonard da Vinci. Und wenn sie lächelt, steht die Frage nach dem Warum. So viele Untersuchungen und Thesen. Es ist vielleicht jede Form der Publicity, die die Mona Lisa noch berühmter werden lässt und dem der darüber schreibt auch. Ich bin den Restauratoren sehr dankbar, dass dieses weltberühmte Kunstwerk noch existiert. Für mich, als individueller Betrachter, sehe und empfinde ich ein Kunstwerk so, wie ich mich fühle und was es bei mir auslöst. Eine Sichtweise enthält das Gedicht „Das Lächeln der Mona Lisa“ von Kurt Tucholsky:

„Du bist berühmt wie jener Turm von Pisa,
dein Lächeln gilt für Ironie.
Ja … warum lacht die Mona Lisa?
Lacht sie über uns, wegen uns, trotz uns, mit uns, gegen uns –
oder wie –?“

(Quelle: „Das Lächeln der Mona Lisa“ von Theobald Tiger, Kurt Tucholsky, aus: Die Weltbühne. 24. Jahrgang 1928, Nummer 48, Seite 819)

Frans Hals (1582/1583–1666), Buffoon playing a lute (dt.: Buffoon spielt eine Laute), etwa 1623-1624, Öl auf Leinwand, 70 × 62 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons

Frans Hals (1582/1583–1666), Buffoon playing a lute (dt.: Buffoon spielt eine Laute), etwa 1623-1624, Öl auf Leinwand, 70 × 62 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons

Giotto di Bondone (1266 -1337), Fresco in der Basilika San Francesco, Assisi, Madonna col bambino ridente (dt. Madonna mit lachendem Jesuskind), 1290er-Jahre, Foto von http://www.frammentiarte.it [Public domain] via Wikimedia Commons

Giotto di Bondone (1266 -1337), Fresco in der Basilika San Francesco, Assisi, Madonna col bambino ridente (dt. Madonna mit lachendem Jesuskind), 1290er-Jahre, Foto von http://www.frammentiarte.it [Public domain] via Wikimedia Commons

 
 
 
 
 

Kunst und Lächeln

Das Lächeln, als kleine Schwester des Lachens, hatte es schwer in der Kunst. Lachen galt in der christlichen Kunst eher als unfromm oder sündhaft, wenig gottesfürchtig. Das Lächeln in den Darstellungen war jahrhundertelang beschränkt auf das selige Lächeln von Heiligen oder der Christusfigur.
 
 
 
 
 
 

Paul Klee (1879–1940), Die Anfänge von einem Lächeln, 1921, Ölpause und Aquarell auf Papier mit Leimtupfen auf Karton, 362 x 252 mm, [Public domain] via Wikimedia Commons

Paul Klee (1879–1940), Die Anfänge von einem Lächeln, 1921, Ölpause und Aquarell auf Papier mit Leimtupfen auf Karton, 362 x 252 mm, [Public domain] via Wikimedia Commons

 

Der Umgang mit dem Lächeln

Die Einstellung und die Sichtweise auf das Lächeln hat sich ein wenig geändert, geblieben ist der unsichere Umgang mit dem Lächeln. Ernsthaftigkeit und Seriosität scheinen dabei Hauptgegenspieler des Lächelns zu sein. Und so gibt es immer noch den negativen Augenmerk auf falsches, aufgesetztes Lächeln, Verkäuferlächeln, Dauerlächeln, das nervöse Lächeln, höhnisches Lächeln. Nach den Untersuchungen des Physiologen Guillaume Benjamin Duchenne aus dem 19. Jahrhundert ist die Bezeichnung des „echten“ Duchenne-Lächelns entstanden. Bei diesem Lächeln sind die „Muskeln der Freude“ rund um die Augen beteiligt und Maßstab für das Erkennen von echtem Lächeln. Diese These ist in den neueren Forschungen widerlegt. Der weiche Ansatz und der langsame Aufbau mit sanftem Ausklang sind Kriterien für das echte Lächeln. Die Dauer, wenige Sekunden.
 

Johann Georg Meyer (1813–1886), Das erste Lächeln, signiert und datiert unten links: Meyer von Bremen 1853. Öl auf Leinwand. 38 x 30 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons

Johann Georg Meyer (1813–1886), Das erste Lächeln, signiert und datiert unten links: Meyer von Bremen 1853. Öl auf Leinwand. 38 x 30 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons

 
 
 
 

Natur und Lächeln

Babys beginnen mit etwa vier bis acht Wochen andere anzulächeln. Es ist also von Natur aus angeboren. Eine Form der Kommunikation sozusagen als Reaktion auf freundliche Gesichter der unmittelbaren Umgebung oder der Versuch Sympathie aufzubauen. Das Lächeln hat die Kraft, Bindungen zu knüpfen, zu stärken oder Vertrauen aufzubauen.
 
 
 
 

Estêvão Silva (1844–1891), Menino com melância (dt. Junge mit Wassermelone), 1889, Öl auf Leinwand, 54 × 71 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons

Estêvão Silva (1844–1891), Menino com melância (dt. Junge mit Wassermelone), 1889, Öl auf Leinwand, 54 × 71 cm, [Public domain] via Wikimedia Commons

 
 
 
 
 

Bedeutung des Lächelns

Mit einem Lächeln drücke ich Freundlichkeit oder Wohlwollen aus. Es kann Ausdruck von guter Laune oder innerer Balance sein. Es kann ein Gespräch eröffnen oder das nonverbale Gespräch selbst sein. Eine vertraute Geste. Die Anspannung der entsprechenden Gesichtsmuskeln signalisiert dem Gehirn Entspannung, was die Senkung der Herzschlagfrequenz zur Folge hat. Endorphine werden produziert, was seelische als auch körperliche Schmerzen ein wenig verringern. Nebenbei steckt ein herzliches Lächeln an.  Und zu guter Letzt das wichtigste: Ein Lächeln ist Ausdruck eines Gefühls. Ein menschliches Gefühl, das ohne viel Aufwand geteilt werden kann. Das Gefühl, das der Verstand manchmal schwer einordnen oder verstehen kann.

Aber was gibt es für ein schöneres Geschenk als ein Lächeln, das von Herzen kommt? Von Herzen fürs Herz sozusagen. Tivi würde jetzt bestimmt sagen: „Na mach schon.“

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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