Der Blog über Kunst und Inspiration

Dagmar Küchler. Das Interview

Dagmar Küchler, Künstlerin

Malerei

 
 
 

Das Interview

Dagmar Küchler, Porträtfoto, (c) Dagmar Küchler

Dagmar Küchler, Porträtfoto, (c) Dagmar Küchler


 

1. Gibt oder gab es eine Person in Ihrem Leben, die Ihr Denken und Ihre Einstellung gegenüber Ihrer Arbeit entscheidend beeinflusst oder geprägt hat?

Ja, der Kölner Künstler Rolf Schanko. Während der Teilnahme am Lehrbetrieb in seinem Kölner Atelier lernte ich nicht nur die künstlerische Auseinandersetzung mit einem Thema, sondern auch die intellektuelle und philosophische Auseinandersetzung mit der Kunst. Er bestärkte mich darin, an der Freien Kunstakademie Bonn ein 3-jähriges Intensivstudium Malerei zu absolvieren. Rolf Schanko ist noch heute mein künstlerisches Vorbild und Freund.

2. Wie bilden sich Ideen für Ihre Arbeit? Was inspiriert Sie?

Erlebtes, Erfahrenes, Situationen, Begebenheiten, Menschen, alles was mich berührt möchte ich aus
meiner eigene Sicht definieren und den Betrachter so an meiner Sichtweise der Welt teilhaben lassen.
Ganz besonders fesseln mich Dynamik, Bewegung, Veränderung – das kann die Dynamik in einer
Sportart, die Gestik oder Mimik eines Menschen oder Tieres sein. Egal ob in alltäglichen Begegnungen,
Filmsequenzen, Dokumentarberichten, Urlaubserlebnissen …. immer ist da irgendwann ein Moment, der
mich innehalten lässt und den Wunsch in mir weckt, genau dieses Gefühl in mir nach außen zu bringen,
sichtbar zu machen.

3. Welches Material bevorzugen Sie und warum?

Zeichenkohle und Kreiden für erste Studien auf Zeichenkarton oder Papier, Acrylfarbe, Aquarellfarbe,
manchmal auch Ölfarbe für die weitere Ausarbeitung auf Leinwand. Außerdem habe ich ständig und
überall ein Skizzenbuch dabei, in dem ich kleine Entwürfe, Ideen und Gedanken festhalte.

4. Wie lassen Sie sich auf eine neue Arbeit ein?

Mit Haut und Haaren und häufig dem Verlust jeglichen Zeitgefühls …. so kann es schon vorkommen,
dass ich eine Nacht im Atelier verbringe, wenn ich im flow bin.

5. Wie drückt sich Realität und Intuition in Ihrer Arbeit aus?

Dagmar Küchler, "Norman" Porträtserie special faces, 2015, Acryl auf Leinwand, 80x60 cm (c) Dagmar Küchler

Dagmar Küchler, „Norman“ Porträtserie special faces, 2015, Acryl auf Leinwand, 80×60 cm (c) Dagmar Küchler

Realität sind die Themen meiner Arbeit. Da ich hauptsächlich figurativ arbeite, gibt es reale Bezugspunkte oder Modelle. Intuitiv lasse ich mich dann aber auf das jeweilige Model ein und versuche wiederzugeben, was ich sehe.

Manchmal grenzt es auch an Besessenheit, aber z.B. in der Porträtmalerei kann ich mit seriellem Arbeiten alle Facetten eines Menschen versuchen zu erfassen und auf die Leinwand zu bringen. Bei den celebrities, die zum Teil schon nicht mehr am Leben sind, muss ich mich nicht mit der Erwartungshaltung des Porträtierten auseinandersetzen. Das sieht schon ganz anders aus, bei lebenden Personen und ganz besonders natürlich, wenn es sich noch um Freunde, Familienmitglieder usw. handelt.

Jeder Mensch hat ja von sich ein eigenes Bild und erwartet in 99% der Fälle, dass ihn der Künstler genauso sieht und wiedergibt. Oft sieht der Künstler aber auch viel tiefer bzw. ist es ja immer seine eigene Sicht auf den Porträtierten. So wie es ein Künstler einmal schrieb: “Kein gemaltes Porträt spiegelt die tatsächliche Person, sondern ist immer ein Abbild aus der Sicht des Künstlers.”

6. Beschreiben Sie Ihre Arbeitsmethode?

Wie schon erwähnt, arbeite ich überwiegend seriell. Am Anfang stehen unzählige Skizzen und Studien
oder einfach auch nur Ideen zu einem Thema. Und dann entstehen verschiedene Arbeiten in
verschiedenen Formaten und Bildkompositionen mit den verschiedenen Materialien, um das Motiv oder
Thema zu erfassen bzw. darzustellen.

7. Wo sehen Sie die Herausforderung Ihrer Kunst für den Betrachter?

Der Betrachter soll sich auf meine Kunst einlassen, wenn sie ihm in Erinnerung bleibt, ihn berührt, wenn
er ein Porträt als lebendig bezeichnet, dann habe ich erreicht, dass er auch mich ein Stück weit
kennengelernt hat.

8. Wann ist für Sie die Arbeit an Ihrem Kunstwerk abgeschlossen oder wirkungsvoll?

Da halte ich es wie viele Künstler, die vermeintlich fertige Arbeit wird erst einmal für einige Tage
weggestellt, umgedreht und nicht betrachtet. Wenn ich dann das Bild neu betrachte, erkenne bzw. erfühle
ich in den meisten Fällen, ob es noch etwas braucht oder ob es fertig ist. Sollte ich mir unsicher sein,
schaue ich es mir über die Schulter durch einen Spiegel an. Durch den Spiegelblick fallen eventuelle
Unstimmigkeiten auf.

9. Beschreiben Sie Ihr künstlerisches Anliegen?

Ich möchte den Betrachter an meiner freien unverstellten Sicht auf meine Welt und meine Wahrnehmung
und damit natürlich auch auf mich teilhaben lassen. Und wenn meine Kunst dann bewegt, hänge ich mich
natürlich auch selbst an die Wand, mit allen Verletzlichkeiten, wie ein befreundeter Künstler erst kürzlich
meinte.

Dagmar Küchler, „I will always love you“, 2015, Zeichnung, Kohle und Kreide auf Papier, 59 x 42 cm, Artelier13-sketches-special faces-Whitney-Houston-Erfurt-Kuechler-Dagmar-2015, (c) Dagmar Küchler

Dagmar Küchler, „I will always love you“, 2015, Zeichnung, Kohle und Kreide auf Papier, 59 x 42 cm, Artelier13-sketches-special faces-Whitney-Houston-Erfurt-Kuechler-Dagmar-2015, (c) Dagmar Küchler

10. Was bedeutet für Sie der Ausdruck: „Ein Leben mit Kunst“?

Leben mit Kunst ist für mich so selbstverständlich wie Atmen. Kunst bereichert, beglückt, tröstet, macht wütend oder rührt zu Tränen. Kunst ist universell, individuell und verbindet. Ohne Kunst wäre die Welt und das Leben kalt, öde, steril.

Zwangspausen in meiner künstlerischen Arbeit machen mich unglücklich, unruhig, ja ansatzweise sogar aggressiv. Sie geben mir ein Gefühl nicht zu leben. Für mich ist Kunst und Kunstmachen mein Lebensziel, auf das ich relativ spät erst gekommen bin und das mich glücklich macht.

11. Wo kann ein Interessent Ihre Arbeit einsehen?

www.dagmarkuechler.com

blog.artelier13.de

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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