Der Blog über Kunst und Inspiration

Berlin ist eine Scheibe

Berlin ist eine Scheibe

Oder

Die Kraft des Lichts

 
 

Anonym, 'Wanderer am Weltenrand' Quelle: Camille Flammarion, L'Atmosphere: Météorologie Populaire (Paris, 1888), pp. 163, Public domain via Wikimedia Commons

Anonym, ‚Wanderer am Weltenrand‘ Quelle: Camille Flammarion, L’Atmosphere: Météorologie Populaire (Paris, 1888), pp. 163, Public domain via Wikimedia Commons

 

Die Autofahrten Richtung Berlin kenne ich noch aus den Zeiten der wenig befahrenen Transitstrecken. Wenn man als Westdeutscher mit dem Auto nach Berlin fahren wollte, musste man eine bestimmte Transitstrecke fahren.  Die Transitstrecke führte durch die DDR, Grenzübergang vor und nach der Transitstrecke inbegriffen.

 

Ich weiß noch, als ich das erste Mal diese Strecke bei Nacht Richtung Berlin zurücklegte. Die Nacht war richtig dunkel, kaum Verkehr auf der Transitstrecke und dann sah ich diese Lichterscheinung so ca. 80 – 100 km vor Berlin. Ich war irritiert und fragte, was das sei.

Berlin.

Das war die Antwort.

Zu sehen war eine riesige Lichtkuppel am Horizont. Ein nebelartiger Lichtschein, der von den Wolken sanft aufgenommen wurde und hinter den Wolken von der Dunkelheit geschluckt wurde. Mir kam die alte Weltvorstellung aus vergangenen Zeiten in den Kopf. Ich sah diese Halbkugel aus Licht und dachte: Berlin ist eine Scheibe. Eine eigene Welt, der ich mich persönlich jedoch von außen nähere und in die ich einsteigen werde.  Ein sehr spannengsbeladener Schritt.

 

Heute weiß ich, dass dieses Phänomen als Lichtglocke bezeichnet wird. Es ist eine Lichtverschmutzung von Großstädten, die durch Wolken verstärkt wird. In Berlin gibt es keine dunklen Nächte. Überall ist Licht. Besonders in der Weihnachtszeit verstärkt sich das Phänomen. Das Licht als Symbol für das Leben. Es ist überall. Manchmal glaube ich, dass Berlin so viel Licht produziert, damit ja nicht die Dunkelheit auf diese Stadt fällt.

Rembrandt (1606-1669), Meditierender Philosoph, 1632, Öl auf Eichenholz, 28 x 34 cm, Standort Musée du Louvre, Public domain via Wikimedia Commons

Rembrandt (1606-1669), Meditierender Philosoph, 1632, Öl auf Eichenholz, 28 x 34 cm, Standort Musée du Louvre, Public domain via Wikimedia Commons

 

 

Mir kommt im Alltag oft der Gedanke an die Kunst und an eine ausgewogene Komposition. Der Hell-Dunkel-Kontrast. Ein Meister dieses Kontrastes ist Rembrandt. Rembrandt Harmenszoon van Rijn.  Harte Kontraste und weiche, sorgfältig ausgearbeitete Übergänge im Kolorit. Es ist beides vorhanden und macht die Wirkung seiner Bilder aus. Ruhige Ausstrahlung oder Dramatik, frei gewählt und inszeniert  nach Bildthema und Komposition.

Für mich stellt sich dann die Frage: Kann ich das in das Leben übertragen?

 

 

Um das Licht oder den Kraft des Lichts zu erkennen, braucht es die Dunkelheit. Nun ein Synonym für die Dunkelheit ist in einer Großstadt wie Berlin schnell gefunden: Anonymität, Ellenbogengesellschaft, Respektlosigkeit, Angst, Gewalt. Es gibt so viele Menschen in Berlin. Unter ihnen leben viele Künstler. Manchmal hilft einem die Kunst einen neuen Blickwinkel zu erkennen.

match, CC0 Public Domain via pixabay

match, CC0 Public Domain via pixabay

 

 

Ich habe einmal ein Kunstwerk von Funny van Dannen gesehen, das obere Drittel eines Zündholzes mit rotem Schwefelkopf vor einem Hintergrund aus Mitternachtsblau in bildnerischer Darstellung, auf dem ein Spruch zu lesen war, dessen Urheberschaft Konfuzius zugeschrieben wird:

Es ist besser ein kleines Licht anzuzünden, als über die große Dunkelheit zu schimpfen.

 

Meine Reaktion war ein Lächeln. Die Kraft des Lichts in einer Großstadt ist ja vielleicht ein Lächeln.

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

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