Der Blog über Kunst und Inspiration

Anna Purath. Das Interview

Anna Purath, Künstlerin

Malerei

 

Das Interview
Anna Purath, Porträt, Künstlerin, Malerei (c) Anna Purath

Anna Purath, Porträt, Künstlerin, Malerei (c) Anna Purath

 

1. Gibt oder gab es eine Person in Ihrem Leben, die Ihr Denken und Ihre Einstellung gegenüber Ihrer Arbeit entscheidend beeinflusst oder geprägt hat?

Oh, ja: meinen Lehrer, Michail Posin aus Russland. Er hat zusammen mit seinen Brüdern an der Kunstakademie in St. Petersburg studiert und die altmeisterlichen Techniken an mich weiter vererbt. Von ihm habe ich gelernt, die Linie zu beherrschen, mit Licht und Schatten umzugehen, eine Fläche einzuteilen etc. Auch die Liebe zu den alten Meistern habe ich von ihm.

Michail hat mich gelehrt, ein technisch einwandfreies Bild von einem technisch dilletantischen zu unterscheiden. Allerdings gehe ich heute in meiner Beurteilung von Kunst nicht nach der Technik. Ein Bild oder eine Skulptur muss etwas in mir wachrufen, etwas anrühren – das kann auch Laienkunst sein.

Meinen Meister besuche ich auch heute noch. In seinem Neuköllner Kunstsalon arbeitet er rauchend an Kopien – Auftragsarbeiten für Kunden aus aller Welt. In dieser urigen Atmosphäre fühle ich mich wohl. Zwischen einer Menge von Kunstwerken, Zigarettenrauch und einem permanent laufenden Fernsehr stehe ich an einer wackeligen Staffelei und probiere irgendetwas aus… Hier darf ich einfach sein, so wie ich bin. Das mag ich.

 

2. Wie bilden sich Ideen für Ihre Arbeit? Was inspiriert Sie?

Tja, wenn ich das wüsste…

Gerhard Richter hat mal gesagt: „Meine Bilder sind intelligenter als ich“. Ja, ich glaube ich weiß, was damit gemeint ist. Ich sehe mich nicht als Schöpfer von etwas noch nie Dagewesenem an. Ich mache eher die Erfahrung, dass die Bilder zu mir kommen – wie Träume. Sie existieren bereits in einer anderen Dimension. Irgendjemand muss sie schon vor mir erdacht haben – ich bringe sie nur in diese Welt, damit auch andere Menschen sie sehen können.

Inspiration? Am meisten inspiriert mich Kunst. Die alten Meister besonders. Aber auch – und das ist seltsam – meine eigenen Bilder. Sie sprechen zu mir. Sie besitzen eine innewohnende Intelligenz und sagen mir, was als Nächstes zu tun ist. Zeichnungen und Leinwände finden auf magische Art und Weise zueinander. Ich bin nur ein ausführendes Werkzeug. Die Bilder gehören mir eigentlich nicht. Sie gehören Gott. Es ist eine Gnade, sie malen zu dürfen.

 

3. Welches Material bevorzugen Sie und warum?

Ich liebe Farben. Starke, bunte, kontrastreiche Farben. Ich habe Freude daran, eine unvermischte Farbe, pur auf die Leinwand aufzutragen. Dann setze ich eine andere dazu passende Farbe daneben. Acryl, Öl, Pastell – je nachdem, was ich male. Für meine abstrakten Bilder benutze ich meistens Acryl. Aber auch Öl kommt hier in Frage.

Die Körperbilder werden mit weichen Pinseln aufgetragen: Solche feinen Übergänge schafft man nur mit langsam trocknendem Öl. Wenn ich schnell ein figürliches Motiv malen möchte, sind die Pastellkreiden das Mittel der Wahl. Kreide ist sehr unmittelbar und führt mit wenig Aufwand zum Effekt. Für Auraporträts benutze ich gern Ölkreiden, damit das Bild beim Transport nicht verschmiert.

 

4. Wie lassen Sie sich auf eine neue Arbeit ein?

Oh, das ist ein schwieriges Thema. Malerei ist schwere Arbeit. Das hat mit Hobby oder Entspannung gar nichts zu tun. Ein neues Bild oder eine neue Serie benötigt maximale Konzentration. Ich muss meine Kräfte sammeln.

Im Atelier angekommen, sorge ich zunächst für mich, sitze eine Weile auf dem Sofa, esse, trinke, schaue aus dem Fenster.

Dann lege ich meine Utensilien zurecht, betrachte meine bisherigen Arbeiten, räume Leinwände hin und her. Ich muss den Moment abpassen, wenn der Flow beginnt. Das ist nicht selbstverständlich. Alles im Universum unterliegt Rhythmen und Wellen. Die Welle zu erwischen – das ist ein wesentlicher Teil meiner Arbeit als Künstlerin.

 

5. Wie drückt sich Realität und Intuition in Ihrer Arbeit aus?

Anna Purath, Seespiegelung, 2015, Acryl auf Leinwand, 40 x 50 cm, (c) Anna Purath

Anna Purath, Seespiegelung, 2015, Acryl auf Leinwand, 40 x 50 cm, (c) Anna Purath

Das müssen Sie meine Bilder fragen. Ich habe nicht das Gefühl, selbst darüber zu entscheiden, was ich wann und warum male. Ich male… und hinterher frage ich mich selbst, wie es geschehen konnte. Realität und Intuition – das sind Begriffe, über die sich streiten lässt.

Was ist denn überhaupt real? Meiner Erfahrung nach ist nur das Leben an sich real. Das heilige Leben. Unsere Seele. Gott. Was wir erschaffen, unsere menschliche Welt – die ist vergänglich und hat keinen bestehenden Wert. Deshalb ist für mich das Langweiligste auf der Welt, etwas zu malen, „was wirklich da ist“. Aus meiner Sicht, ist es nämlich gar nicht real. Ein Stillleben, eine Stadtansicht, ein realistisches Porträt… damit habe ich mich während meiner Lehrjahre herumgeschlagen. Jetzt male ich die Realität hinter den Dingen, die Dimension hinter der bröckelnden Fassade.

Wie die Intuition auf die Leinwand kommt? Sie ist schon da! Ich muss sie nur noch gewissermaßen festhalten. Malen ist für mich ein ständiger Dialog zwischen den Impulsen, die aus der Welt von „hinter der Leinwand“ kommen und meiner Reaktion darauf. Mein zeichnerisches und malerisches Können entscheiden im gegebenen Augenblick darüber, wie einer dieser Impulse interpretiert wird. Manchmal liege ich auch daneben – dann muss ich eben von vorn anfangen, sofern ich eine neue Welle erwische.

 

6. Beschreiben Sie Ihre Arbeitsmethode?

Wenn ich eine hätte, dann wäre es nicht jedes Mal so schwer, mit der Arbeit zu beginnen…

Ich mache immer alles anders, immer alles neu und kann mich später nicht mehr daran erinnern. Es ist wie Träumen – da weiß man manchmal hinterher auch nicht viel mehr, als dass man geträumt hat. Vielleicht will mich die spirituelle Welt vor so etwas wie Routine bewahren. So bleiben meine Bilder frisch und inspiriert. Aber sie entziehen sich dadurch auch einer Klassifizierung – was sich eben schwer vermarkten lässt.

 

7. Wo sehen Sie die Herausforderung Ihrer Kunst für den Betrachter?

Ich will den Betrachter nicht beschäftigen, ich will ihn erreichen. Ich wünsche mir, dass er sich an etwas erinnert fühlt, an etwas Tiefes, Ureigenes. Ich möchte den Menschen etwas von sich selbst zurück geben.

Wenn in meinem Bild jemand den Strahl seiner eigenen Existenz erhascht, dann habe ich etwas erreicht, wofür ich mit künstlerischem Talent ausgestattet wurde.

 

8. Wann ist für Sie die Arbeit an Ihrem Kunstwerk abgeschlossen oder wirkungsvoll?

Das Ende kommt immer überraschend. Ich drehe mich um, und plötzlich ist das Bild fertig…

 

9. Beschreiben Sie Ihr künstlerisches Anliegen?

Sichtbar machen, was sonst unsichtbar bliebe. Unsere verlorenen Seelenanteile, die Heiligkeit unseres Lebens, das Echte, Wahre, Authentische.

Das gibt’s nicht bei Gucci im Shop…

 

Anna Purath, Love Inside, 2015, Öl auf Leinwand, 100 x 70 cm, (c) Anna Purath

Anna Purath, Love Inside, 2015, Öl auf Leinwand, 100 x 70 cm, (c) Anna Purath

10. Was bedeutet für Sie der Ausdruck: „Ein Leben mit Kunst“?

Hmmm… Was wäre denn ein Leben ohne Kunst? Ich glaube ein tristes…

 

11. Wo kann ein Interessent Ihre Arbeit einsehen?

www.safary.de

oder in einer meiner „Filialen“ life nach persönlicher Verabredung.

 

Über mich:
Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Fototextcollage (c) Heike Cybulski

Hildegard Willenbring

Ich bin Kunsthistorikerin, Mentaltrainerin und Entspannungstrainerin. Weiterhin bezeichne ich mich als bekennende Betrachterin und Kunstliebhaberin. Texte über Kunst zu schreiben ist eine Leidenschaft von mir.

weiterlesen >>

Folgen Sie mir auf:
Facebooktwittergoogle_pluslinkedinyoutube
Blog via E-Mail abonnieren

Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Schließe dich 4.518 anderen Abonnenten an

Ressourcen

Buchempfehlungen >>       

Links >>